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Bayerisches Zahnärzteblatt Januar 2016

BZB: Welche Rolle spielen die KZVen bei den neuen Vorschriften? Böhm: Eine sehr wichtige. Der Gesetzgeber hat dem Gemeinsamen Bundesausschuss, in dem die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung (KZBV) im Unterausschuss Qualität vertreten ist, die nä- here Ausgestaltung der qualitätsfördernden Ver- fahren übertragen. Die KZBV hat deshalb bereits seit mehreren Jahren eine Arbeitsgruppe „Qua- lität“ eingerichtet, in der auch die KZV Bayerns vertreten ist. Wir setzen uns dafür ein, dass die Neuregelungen so zahnarztfreundlich wie mög- lich gestaltet werden. Das möchte ich an einem Beispiel illustrieren: Im Bereich der sogenannten sektorenspezifischen Qualitätssicherung sollen die KZVen sich voraussichtlich ab 2017 der Qua- lität der in der vertragszahnärztlichen Versorgung erbrachten Leistungen durch Stichprobenprüfun- gen vergewissern. Unser Ziel ist es, dass diese Prü- fungen alleine durch die KZVen durchgeführt wer- den, ohne Beteiligung der Krankenkassen. Quali- tätssicherung ist die ureigenste Aufgabe der zahn- ärztlichen Selbstverwaltung. Bei einer Beteiligung der Krankenkassen wäre zu befürchten, dass es primär nicht mehr um Qualitätsförderung und -sicherung, sondern um Regresse geht. Wir können deshalb nicht nachvollziehen, warum im ärztli- chen Bereich Krankenkassenvertreter in den ent- sprechenden Gremien vertreten sind. Auch bei der Durchführung der Prüfungen bestehen wir darauf, dass der Aufwand für die Praxen in einem vertret- baren Rahmen bleibt. Die Praxen haben schon ge- nügend Bürokratie am Hals. BZB: Was verbirgt sich hinter dem Begriff „einrich- tungsübergreifende Qualitätssicherung“? Rat: Hier soll die Qualität der einzelnen Praxis mit der Qualität anderer Praxen verglichen werden. Vor allem die Patientenvertreter wünschen sich natürlich eine Art „Ranking“ nach dem Motto „Welche Praxis macht die besten Füllungen oder die besten Implantate?“. Das halte ich aber für brandgefährlich, weil diese Indikatoren nicht viel über die Qualität der Arbeit des Zahnarztes aus- sagen. Wir wissen alle, wie wichtig die Mitwirkung des Patienten für den Behandlungserfolg ist. Auch ethisch wären solche Rankings nicht vertretbar. Denken Sie einmal an Krebspatienten: Bei einer schlechten Prognose würden sie sich schwertun, einen Behandler oder eine Klinik zu finden, weil sie die Erfolgsstatistik verschlechtern. Ich glaube aber, dass es auch aus datenschutz- und persönlich- keitsrechtlichen Gründen nicht zu solchen Ranking- listen kommen wird. Böhm: Kollege Rat hat völlig Recht. Alle Auswer- tungen, die derzeit diskutiert werden, setzen die völlige Anonymität durch Pseudonymisierung der Daten voraus. Einen Vergleich von Zahnarzt A mit Zahnarzt B kann und wird es nicht geben. BZB: Die QM-Richtlinie des G-BA sieht ein Fehlermelde- system für die Zahnärzte vor. Was hat man sich darun- ter vorzustellen? Böhm: Die Bundes-KZV und die Bundeszahnärzte- kammer sind dieser Aufforderung nachgekommen und haben „CIRS dent“ ins Leben gerufen. „CIRS“ steht für „Critical Incident Reporting System“. Sol- che Systeme wurden zuerst in der Luftfahrt einge- führt. Ziel ist es, aus den Fehlern anderer zu lernen. Dieses Prinzip finde ich gut. „CIRS dent“ ist jedoch mehr als ein reines Fehlermeldesystem. Es ist ein Berichts- und Lernsystem, in dem Kolleginnen und Kollegen freiwillig, anonym und sanktionsfrei über unerwünschte Ereignisse aus ihrem Praxisalltag berichten, sich informieren und austauschen kön- nen. Wir haben allen Vertragszahnärzten mit der Februar-Abrechnung einen Registrierungsschlüssel zugeschickt. „CIRS dent“ wird wissenschaftlich be- gleitet. Aus Fehlern oder Beinahefehlern lernen – das ist ein guter Ansatz. Wir möchten alle motivieren, sich dieses Projekt einmal anzuschauen und sich eine eigene Meinung zu bilden. (Einen Artikel zu „CIRS dent“ finden Sie auch auf Seite 45.) BZB: Besteht die Gefahr, dass sich die Vergütung zahnärztlicher Leistungen in Zukunft an der Qualität orientiert? Rat: Ausschließen möchte ich das nicht. Im Kran- kenhausbereich passiert das ja gerade. Wichtig ist, wie man Qualität definiert. Der Zahnarzt schuldet keinen Behandlungserfolg in dem Sinn, dass der Patient geheilt wird, sondern eine Behandlung nach dem allgemein anerkannten Standard. Wenn das der Qualitätsbegriff ist, kann ich damit leben. Denn unwirtschaftliche oder unnötige Behandlun- gen werden ja heute schon durch die Kassen be- anstandet. Und Behandlungsfehler stellen wir im Rahmen des Gutachterverfahrens fest. Aber sie liegen bekanntlich im Promille-Bereich. Also be- steht auch hier kein Grund zur Panik. BZB: Vielen Dank für das Gespräch! Die Fragen stellte Leo Hofmeier. Politik BZB Januar/Februar 16 11 KZVB Politik BZB Januar/Februar 1611

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