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Bayerisches Zahnärzteblatt Januar 2016 - Landesärztekammer warnt vor Hausarztmangel

Politik BZB Januar/Februar 16 17 KZVB Es ist paradox: Obwohl es in Bayern immer mehr Ärzte gibt, verschärft sich der Landarztmangel. Über Ursa- chen und Hintergründe hat die Baye- rische Landesärztekammer (BLÄK) im Januar bei einer Pressekonferenz in- formiert. Parallelen zu den Zahnärz- ten sind dabei unübersehbar. 55 500 Humanmediziner waren 2015 in den bayerischen Praxen und Kran- kenhäusern tätig – 2,4 Prozent mehr als im Vorjahr und sogar 24 Prozent mehr als vor zehn Jahren. Gleichzei- tig nahm die Zahl der Hausärzte in- nerhalb eines Jahres um 2,4 Prozent ab, innerhalb eines Jahrzehnts um fast 14 Prozent. Die Hauptursache für diese Entwicklung ist trivial: Junge Ärzte wollen weniger arbeiten als ihre Vor- gänger. „In der Summe hat der Zeitumfang der ärztlichen Tätigkeit pro Arzt deutlich abgenom- men“, erklärt BLÄK-Präsident Dr. Max Kaplan. Weil gleichzeitig der Behandlungsbedarf der Be- völkerung steige, werde sich der Medizinermangel weiter verschärfen, befürchtet Kaplan. Die Generation Y hat also eine grundsätzlich an- dere Einstellung zum Berufsleben. Das wissen auch viele Zahnärzte, die auf der Suche nach einem Nach- folger für ihre Praxis sind. Der Trend zur Anstellung ist unübersehbar. Alleine im Bereich der KZVB hat die Zahl der angestellten Vertragszahnärzte in den vergangenen drei Jahren um über 50 Prozent zu- genommen. Die eigene Praxis ist für immer weni- ger Kolleginnen und Kollegen eine Option. Auch die Angst vor dem finanziellen Risiko und der Bürokratie, die die Gründung oder Übernahme einer Praxis mit sich bringt, spielt bei der Lebens- planung eine wichtige Rolle. Und natürlich auch die Feminisierung des Berufsstandes. „Wenn heute bis zu drei Viertel der Studierenden in der Human- und Zahnmedizin Frauen sind, wird das den Arzt- und Zahnarztberuf entscheidend verändern“, be- tont KZVB-Vize Dr. Stefan Böhm. Frauen würden nun einmal viel stärker als Männer auf die Verein- barkeit von Familie und Beruf achten. Doch was können Politik und Selbst- verwaltung tun, um dem drohenden Mangel vor allem in den ländlichen Regionen entgegenzuwirken? Für Böhm ist eines klar: „Wir müssen den jungen Kolleginnen und Kolle- gen die Freude an der Selbstständig- keit vermitteln. Viele Befürchtungen sind unbegründet und auf Informa- tionsdefizite zurückzuführen.“ Die KZVB hat 2015 in Zusammen- arbeit mit der apoBank ein sehr gut besuchtes Niederlassungsseminar durchgeführt, bei dem sie alle Fra- gen rund um die vertragszahnärztli- che Tätigkeit beantwortete. Ein Zahn- ärztinnen-Nachmittag sollte jungen Kolleginnen klarmachen, dass die Freiberuflichkeit viele Chan- cen mit sich bringt – auch und gerade bei den Ar- beitszeitmodellen. Und schließlich unterstützt die KZVB Praxisabgeber bei der Suche nach einem Nachfolger. Wichtig ist auch, dass die Politik für die Probleme der freiberuflich tätigen Ärzte und Zahnärzte sen- sibilisiert ist. Dazu hat auch die Pressekonferenz der BLÄK beigetragen. „Die demografische Ent- wicklung bei Patienten wie bei Ärzten stellt in den nächsten Jahren eine große Herausforderung dar“, kommentierte die bayerische Gesundheitsminis- terin Melanie Huml die aktuellen Zahlen. Sie ver- wies auf Förderprogramme für die Niederlassung im ländlichen Raum. Die gibt es bislang allerdings nur für Ärzte und Psychotherapeuten. Die Zahn- ärzte müssen ihre Praxen selbst finanzieren. Für Dr. Stefan Böhm ist das aber auch vertretbar: „Ich bin der festen Überzeugung, dass man mit ei- ner Zahnarztpraxis auf dem Land gutes Geld ver- dienen kann. Wir brauchen deshalb vor allem einen Bewusstseinswandel. Den versuchen wir durch un- sere vielfältigen Veranstaltungen zu erreichen.“ Auch 2016 sind seitens der KZVB wieder ein Nieder- lassungsseminar und ein Zahnärztinnen-Nachmit- tag geplant. Alle aktuellen Veranstaltungstermine finden Sie auf www.kzvb.de. Leo Hofmeier Weniger trotz mehr Landesärztekammer warnt vor Hausarztmangel „Um einer Unterversorgung im ländlichen Raum entgegenzuwir- ken, braucht es einen Bewusst- seinswandel“, betont KZVB-Vize Dr. Stefan Böhm. Foto: KZVB Politik BZB Januar/Februar 1617 55500 Humanmediziner waren 2015

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