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Bayerisches Zahnärzteblatt Januar 2016

Jede Praxis braucht eine Grundstruktur an Einrich- tung und Technik – aber nicht immer vom Start weg. Übertrieben erscheint zum Beispiel die An- schaffung von drei Behandlungseinheiten, bevor überhaupt der erste Patient die Praxis betreten hat. Und nicht immer ist das, was ein Depot offeriert, auch für den Praxisgründer gut. Deshalb emp- fiehlt es sich, Konkurrenzangebote einzuholen, zu vergleichen und die Investition mithilfe einer Amor- tisationsrechnung zu hinterfragen. Keinesfalls kann die steuerliche Absetzbarkeit von Ausgaben und Investitionen aus einer falschen Entscheidung eine richtige machen. Die höchstmögliche Steuerbelas- tung inklusive Solidaritätszuschlag und Kirchen- steuer liegt derzeit bei etwa 45 Prozent. Das heißt umgekehrt, dass 55 Prozent aus eigenem Vermö- gen bezahlt werden müssten und die steuerliche Absetzbarkeit eine mögliche Fehlentscheidung le- diglich abmildern würde. Eine Investition grund- sätzlich mit dem damit verbundenen Steuervor- teil zu begründen, ist schon im Ansatz falsch und wäre nur dann richtig, wenn der Steuersatz über 100 Prozent liegen würde. Der größte Kostenfaktor einer Praxis sind die Per- sonalkosten. Sie betragen im Durchschnitt rund 25 Prozent des Umsatzes und mehr als 50 Prozent der Gesamtkosten. Markante Abweichungen nach oben oder unten sollten in jedem Fall kritisch hin- terfragt werden. Gleichzeitig sind die Mitarbeiter – neben den fachlichen und persönlichen Fähigkei- ten des Zahnarztes – der wichtigste Erfolgsfaktor einer Praxis. Eine moderne Mitarbeiterführung, die geprägt ist von respektvollem Umgang, Freund- lichkeit und regelmäßigem Gedankenaustausch ist genauso wichtig wie eine angemessene, teilweise leistungsabhängige Vergütung der Mitarbeiter. Da- bei ist die Vorbildfunktion des Praxisinhabers und eine klare Abgrenzung der Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten zwischen Chef und Ange- stellten unabdingbar. Falsche Kumpanei und das Verwischen der Praxishierarchie sind auch in einem Kleinbetrieb kontraproduktiv und schaffen unlieb- same Abhängigkeiten. In keinem Fall sollten Praxis- mitarbeiter deshalb Einblick in Umsatz, Kontostand und andere finanzielle Details haben. Laufzeit an Nutzungsdauer anpassen Bei der Praxisfinanzierung sollte die Laufzeit des Kredits grundsätzlich mit der Nutzungsdauer der Investition übereinstimmen. Das gilt für eine Neu- gründung ebenso wie für eine Übernahme. In der Regel werden Praxen über einen Zeitraum von 10 bis 15 Jahren finanziert. Bei langfristigen Finan- zierungsformen unterscheidet man zwischen Til- gungs-, Annuitäten- und endfälligen Darlehen. Die vielfältigen Förderungsmöglichkeiten einer Existenzgründung durch öffentliche Fördermittel der KfW-Mittelstandsbank, der LfA Förderbank Bayern oder das „ERP-Kapital für Gründung“ soll- ten bei der Finanzierung mit einberechnet werden. Eine gute Bank weist auf solche Optionen hin und gleicht die Investitionen mit der Kapitaldienstfähig- keit der Praxis ab. Wichtiger denn je: Marketing Während der Begriff „Marketing“ noch vor weni- gen Jahren Kopfschütteln auslöste, ist er heute in einer zukunftsorientierten Zahnarztpraxis unver- zichtbar. Ein attraktiver Internetauftritt, der zum Be- such der Praxis einlädt, gehört genauso dazu wie eine darauf abgestimmte Praxisbroschüre und ein einheitliches Erscheinungsbild nach außen (Corpo- rate Identity). Je jünger der Patientenstamm, umso wichtiger ist auch die Nutzung sozialer Medien. Eine erfolgsorientierte Praxis braucht die dafür er- forderlichen betriebswirtschaftlichen Steuerungsins- trumente. Dazu zählen eine zeitnah erfasste und ausgewertete Finanzbuchhaltung und – darauf auf- bauend – eine betriebliche und private Finanzpla- nung, die auch zeitlich verzögerte Steuerzahlungen berücksichtigt. Dies erfordert die Bereitschaft und Disziplin des Praxisinhabers, sich selbst damit aus- einanderzusetzen, oder seriöse und kritische Berater, die sich nicht scheuen, Missstände anzusprechen und ihre Mandanten darauf aufmerksam zu machen. Dipl.-Betriebswirt Hans Rothammer Regensburg Praxis BZB Januar/Februar 16 31 BLZK Kurs bei der eazf Im Rahmen des Curriculums Betriebswirtschaft der eazf spricht Dipl.-Betriebswirt Hans Rothammer zum Thema „Planen und agieren statt improvisieren und reagieren: Grundsätzliche Gedanken und Ausblicke zur Nieder- lassung“. Die Vorträge finden am 12.März in München und 30.April in Nürnberg statt. Nähere Informationen und Anmeldung: eazf Fallstraße 34, 81369 München Telefon: 089 72480-450 Fax: 089 72480-188 E-Mail: info@eazf.de Internet: www.eazf.de Praxis BZB Januar/Februar 1631 Telefon: 08972480-450 Fax: 08972480-188

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