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Bayerisches Zahnärzteblatt Januar 2016 - Interview zum Thema Crystal Meth

BZB Januar/Februar 16 Praxis 32 KZVB Forscher der Klinik und Poliklinik für MKG-Chirur- gie der Technischen Universität München haben untersucht, wie sich der Konsum der Modedroge Crystal Meth auf die Mundgesundheit auswirkt. Dafür wurden sie mit dem Wrigley Prophylaxe Preis ausgezeichnet. Das Bayerische Zahnärzte- blatt hat sich mit einem der beteiligten Wissen- schaftler, Dr. Dr. Niklas Rommel, unterhalten. BZB: Herzlichen Glückwunsch zum ersten Platz beim Wrigley Prophylaxe Preis. Wie sind Sie auf das Thema gestoßen? Rommel: Zum ersten Mal sind wir im Frühjahr 2012 auf das Thema aufmerksam geworden. Da- mals berichteten die Medien von der rasanten Aus- breitung der neuen Szene-Droge, wegen der Nähe zur Crystal-Meth-Hochburg Tschechien vor allem in Franken und Sachsen. Professor Marco Rainer Kesting, der Leiter unserer Forschungsgruppe, hat als gebürtiger Franke enge Kontakte in diese Region. Dadurch wurde uns ein sehr guter Einblick in die aktuelle Problematik ermöglicht. Neben einer Viel- zahl an körperlichen und psychischen Auswirkun- gen wurden insbesondere auch dramatische Folgen für die Zahn-, Mund- und Kieferregion bei chroni- schemCrystal-Meth-Konsumvermutet.Wirhabenin der aktuellen Fachliteratur weiter recherchiert und sind auf drastische Fallbeispiele in den USA gestoßen, wo der Begriff „Meth Mouth“ mit grassierender Ka- ries, Parodontitiden, Mundtrockenheit und Bruxis- musverwendetwurde.EsgababerfürdasPhänomen „Meth Mouth“ keine Erklärungen anhand systema- tischer Studien. Das wollten wir ändern. BZB: Was war das zentrale Ergebnis der Untersuchung? Rommel: Es zeigte sich eine signifikant höhere Ka- ries-, Gingivitis- und Parodontitisprävalenz inner- halb einer Gruppe mit Crystal-Meth-Konsum als bei einer gleichaltrigen und gleichgeschlechtlichen Kontrollgruppe ohne Crystal-Meth-Konsum. Des Weiteren waren die Speichelflussrate und Speichel- pufferkapazität signifikant reduziert sowie die An- zeichen für Bruxismus deutlich erhöht. BZB: Warum haben die Süchtigen so schlechte Zähne? Rommel: Zunächst einmal hat die Substanz direkte Auswirkungen wie Xerostomie, Bruxismus und eine Senkung der Speichelpufferkapazität. Und es gibt eine Vielzahl an begleitenden Faktoren wie hoher toxischer Begleitkonsum, mangelnde zahnärztliche Betreuung, mangelnde Mundhygiene und niedri- ger sozialer Status. Diese Gesamtkonstellation lässt „Erhebliche Gefährdung für die Mundgesundheit“ Interview mit Dr. Dr. Niklas Rommel zur Auswirkung von Crystal Meth Ausgezeichnete Forscher: Für ihre Arbeit zum Thema Crystal Meth und Mundgesundheit haben Professor Marco Rainer Kesting (l.) und Dr. Dr. Niklas Rommel den Wrigley Prophy- laxe Preis erhalten. Foto: Wrigley Oral Healthcare Program

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