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Bayerisches Zahnärzteblatt Januar 2016

und unerklärliche Veränderungen in der Mund- höhle klagen und bei der klinischen Untersuchung zudem ausgedehnte kariöse Läsionen, Gingiviti- den und Bruxismus-Anzeichen aufweisen, sollte ein Crystal-Meth-Abusus in Erwägung gezogen werden. BZB: Was sollten Zahnärzte und Praxismitarbeiter ma- chen, wenn sie erkennen, dass ein Patient abhängig von Crystal Meth ist? Rommel: Bei Bestätigung eines Crystal-Meth-Abu- sus sollten der allgemeine Gesundheitszustand und der Infektionsstatus (HIV, Hepatitis) kritisch evalu- iert sowie Suchtdruck und Crystal Meth-induzierte kognitive Defizite bedacht werden. Zudem sollte eine detaillierte Anamnese über den Begleitkonsum wei- terer Suchtmittel erfolgen. Falls der Crystal-Meth- Patient für eine medizinische Beratung empfäng- lich ist, wäre die Konsultation eines Facharztes für Suchtmedizin oder einer suchtfachspezifischen The- rapie- und Entzugsklinik zu empfehlen. Falls eine invasive zahnärztliche Maßnahme erforderlich wird, sind Paranoia, Ängste und paradoxe Schmerzsen- sationen bei der Therapieplanung zu berücksichti- gen. Ebenso ist eine Crystal-Meth-Karenz von mehr als 24 Stunden vor einer zahnärztlichen Interven- tion zu fordern, da der vasokonstriktorische Anteil im Lokalanästhetikum eine weitere sympathiko- tone Triggerung des Patienten verursacht. Hyper- tone Krisen, kardiale Arrhythmien, Myokardin- farkte und cerebrovaskuläre Ereignisse könnten die Folge sein. Bei deutlichen Anzeichen einer kürzlich erfolgten Crystal-Meth-Einnahme sollten dringende Behandlungen nur unter Monitoringmaßnahmen erfolgen. Als invasiv-therapeutische Maßnahmen bei Kariesläsionen wird bei fortgeschrittenem Ka- riesbefall die Extraktion des Zahnes empfohlen. In einem frühen Stadium einer Zahnkaries kommen Glasionomerzemente und Kompomere als Fül- lungsmaterialien mit dem Vorteil einer Fluorid- freisetzung in Betracht. Im Rahmen ausgedehnter Sanierungen sollte jedoch ein Vorgehen in Intu- bationsnarkose und das Konsultieren eines Mund- Kiefer-Gesichtschirurgen beziehungsweise Oral- chirurgen erwogen werden. BZB: Crystal Meth war lange Zeit vor allem in den Grenzregionen zu Tschechien verbreitet. Hat die Droge Ihren Erkenntnissen nach mittlerweile den Weg in die Großstädte gefunden? Rommel: Definitiv. Anfang November fand die Jahrestagung der Drogenbeauftragten der Bundes- regierung in Berlin statt. Bei dieser waren Crystal Meth und dessen Verbreitung das Hauptthema. Das Thema ist also weiterhin hoch brisant. Das Bundeskriminalamt berichtete von einem stetigen Anwachsen der Crystal-Meth-Welle, die sich längst über Franken und Sachsen auf die gesamte Bun- desrepublik und die Großstädte ausgebreitet hat. Waren es im Jahr 2009 noch 100 Sicherstellungs- fälle von Crystal Meth, so wurden im Jahr 2014 bereits circa 4 000 Fälle registriert. BZB: Wie kann das aktuelle Crystal-Meth-Problem am besten bekämpft werden? Rommel: Das ist eine gute Frage und wurde bei der Jahrestagung auch ausführlich diskutiert. In den USA, die ebenfalls mit der Crystal-Meth-Problema- tik zu kämpfen haben, wurden Vorher-Nachher- Bilder von Crystal-Meth-Konsumenten zur Ab- schreckung veröffentlicht. Nach neuesten Erkennt- nissen und Gesprächen mit Crystal-Meth-Konsu- menten ist diese Methodik jedoch sehr umstritten, da sich Crystal-Meth-Konsumenten in der Regel nicht mit diesen Bildern identifizieren. Vielmehr ist ein umfassendes und flächendeckendes Aufklä- rungsprogramm erforderlich. Aktuell wird ein Leit- faden zur medizinischen und psychosozialen Be- handlung einer Crystal-Meth-/Methamphetamin- Abhängigkeit entwickelt. Die Ergebnisse sind im Frühjahr zu erwarten. Es wird auf jeden Fall in al- len betroffenen medizinischen Fachabteilungen sowie beim Bundeskriminalamt mit Hochdruck an Lösungsansätzen für das Problem Crystal Meth bezüglich Prävention und Therapie gearbeitet. BZB: Vielen Dank für das Gespräch! Das Interview führte Tobias Horner. BZB Januar/Februar 16 Praxis 34 KZVB Foto: fotolia.de/Kaesler Media Sieht harmlos aus, ist aber brandgefährlich – die Modedroge Crystal Meth. Forscher der Klinik und Poliklinik für MKG-Chirurgie der Technischen Universität München haben untersucht, wie sich ihr Konsum auf die Mundgesundheit auswirkt. bereits circa 4000 Fälle registriert.

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