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Bayerisches Zahnärzteblatt Januar 2016 - Die Seiteneinsteiger: Erst Feinmechaniker, dann Zahnarzt

BZB Januar/Februar 16 Praxis 42 KZVB Erst Feinmechaniker bei Siemens und Kodak, dann Offizier bei der Bundeswehr und anschließend ein Ingenieurstudium: Aus allen vorhergehenden Tä- tigkeiten konnte Dr. Michael Reich Fähigkeiten er- werben, die ihm auch in seinem Traumberuf Zahn- arzt von Nutzen waren. BZB: Warum haben Sie sich nach der Mittleren Reife für einen handwerklichen Beruf entschieden? Reich: Meine Familie lebte damals auf dem Land. Es überstieg unsere finanziellen Möglichkeiten, mich, den „Zweitgeborenen“, auf ein Gymnasium in der Stadt zu schicken. Also wollte ich Feinwerktechnik- Ingenieur werden, denn ich war gerne manuell tätig und technisch interessiert. Zugangsvoraussetzungen: Mittlere Reife und abgeschlossene Berufsausbildung. Deswegen lernte ich dreieinhalb Jahre bei Siemens. BZB: Sie haben als Ingenieur bei den traditionsreichen Fluggerätewerken in Überlingen am Bodensee gearbei- tet. Was waren dort Ihre Aufgaben? Reich: Als Betriebsingenieur war ich für die Ferti- gungsgruppe zur Herstellung von „Künstlichen Ho- rizonten“ und Kreisel-Kompassen, das sind Flug- steuerungsinstrumente, verantwortlich. Das waren echte feinmechanische Herausforderungen. BZB: Danach wechselten Sie zur Kodak AG und haben Kameras entwickelt. Gab es hier Parallelen zur Flugzeug- branche? Reich: Die Entwicklung von Kameras, Optiken und Projektoren entsprach sehr genau der Ausrichtung des Ingenieurstudiums, einschließlich der gerade in die Industrie Einzug haltenden Elektronik und Halb- leitertechnik. Technisch gesehen waren beide Firmen identischaufgestellt,wobeiderSchwerpunktim Flug- gerätewerk für mich in der Fertigung, bei Kodak in der Entwicklungsaufgabe lag. BZB: In einem feinmechanischen Betrieb kamen Sie mit Turbinen in Berührung. Haben Sie erkannt, welches Po- tenzial diese Technologie für die Zahnmedizin bietet? Reich: Seit der Erfahrung als Feinmechaniker mit der Erprobung bei der Herstellung der ersten luft- getriebenen ZA-Turbine der Firma Siemens war mir sofort bewusst, dass hier ein entscheidender Fort- schritt in der Technik stattfand. BZB: Musste man bei konservativen Kollegen Verständ- nis für den technischen Fortschritt wecken? Reich: Ja! Sogar gute, befreundete, ehemalige Kom- militonen haben mich beispielsweise vor dem Ein- satz der digitalen Technik, einschließlich CAD/CAM, gewarnt. Sie sei zu aufwendig, zu teuer, zu ungenau und habe keine Zukunft. BZB: Wann und warum reifte in Ihnen der Entschluss, Zahnmedizin zu studieren? Reich: Zahnmedizin als Beruf habe ich bis zu mei- ner Ingenieursausbildung nicht ernsthaft als Be- rufsziel erwogen. Bis zu dem Erlebnis bei der Erpro- bung der Luftturbine. Aus eigener Erfahrung mit dem Doriot-Gestänge und einem sehr ratternden Rosenbohrer als Patient war ich vom technischen Fortschritt beeindruckt, da mir aus der feinmechani- schen Erfahrung der Bearbeitung von harten Mate- rialien, Zeit- und Kraftaufwand bei der Zerspanung nun natürlich wesentlich günstiger vorkamen. Au- ßerdem wollte ich als selbstständiger Zahnarzt mein eigener Herr sein und als Arzt helfen und die Tech- nik zum Wohle und zur eigenen Bestätigung und dadurch zur Berufsbefriedigung einsetzen. BZB: Sie waren zu Beginn des Studiums 33. Studiert man mit so viel Berufserfahrung wie Sie „anders“? Die Seiteneinsteiger: Erst Feinmechaniker, dann Zahnarzt Dr. Michael Reich fand über Umwege zu seinem Traumberuf Foto: privat Als Ingenieur war Dr. Michael Reich (l.) bei der Kodak AG für die Ent- wicklung von Kameras, Optiken und Projektoren mitverantwortlich.

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