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Bayerisches Zahnärzteblatt Januar 2016 - Neue Frontzähne am Tag der Extraktion

BZB Januar/Februar 16 Wissenschaft und Fortbildung 52 Die Vorteile der Sofortimplantation im Vergleich zur verzögerten oder späten Insertion von Zahn- implantaten umfassen die Reduktion der chirurgi- schen Eingriffe und der insgesamten Therapiedauer sowie auch der postoperativen Morbidität der Pa- tienten. Im Frontzahnbereich ergeben sich daraus zusätzlich entscheidende Vorteile, denn es werden keine herausnehmbaren Provisorien benötigt und – darin besteht der größte Gewinn – die ursprüng- liche Schleimhautsituation sowie der darunterlie- gende Alveolarknochen können bestmöglich erhal- ten werden. Ästhetische Ergebnisse gelingen vor allem bei sofortiger provisorischer Versorgung mit individuellen Abutments und zeitnaher Integration des definitiven Zirkonoxid-Aufbaus (Copy-Abut- ment-Methode). Diese Fülle an Vorteilen für Zahn- arzt und Patient wiegt die geringfügig erhöhte Frühverlustrate von Sofortimplantaten auf. Eine kürzlich durchgeführte Expertenumfrage der Jugendkomitees „Next Generation“ der Österrei- chischen, Deutschen und Schweizer Gesellschaf- ten für Implantologie (ÖGI, DGI, SGI) ergab, dass noch immer etwa 20 Prozent aller Implantologen die Sofortimplantation als eine unzureichend evi- denzbasierte Behandlungsmethode mit erhöhtem Risiko auf Implantatverlust einschätzen [1]. Wäh- rend eine Literaturübersicht im Jahr 2007 ergab, dass eine Meta-Analyse aufgrund der unzureichen- den Datenlage noch nicht möglich erschien [2], wurde 2010 der erste Cochrane-Review über ins- gesamt sieben randomisierte kontrollierte Studien publiziert [3]. Nur zwei Jahre später ergab ein sys- tematischer Literaturüberblick über 46 prospek- tive klinische Studien eine sehr zufriedenstellende Zwei-Jahres-Überlebensrate nach Sofortimplan- tation von 98 Prozent (95 % Konfidenzintervall: 97 bis 99%) [4]. Die aktuellste Meta-Analyse aus dem Jahr 2015 über mittlerweile 73 Studien konnte schließlich eine geringfügig, jedoch signifikant erhöhte Früh- verlustrate – 4 Prozent bei Sofortimplantaten ge- genüber 3 Prozent bei Spätimplantaten, also ein etwa 1,5-fach erhöhtes Risiko – nachweisen [5]. Be- trachtet man ausschließlich Sofortimplantate im Bereich der Oberkieferfrontzähne mit sofortiger provisorischer Versorgung, ist das Risiko etwa um das 3,5-fache höher als bei Spätimplantaten und konventioneller Spätversorgung [6]. Dies scheint insofern nicht verwunderlich, als dass Einzelzahn- implantate ohne Sofortversorgung, zum Beispiel im Molarenbereich, wesentlich weniger Mikro- bewegungen während der Einheilphase ausgesetzt sind. Dasselbe gilt aber auch für verblockte Sofort- belastungen, zum Beispiel im Rahmen einer Leer- kiefer-Versorgung. Damit wird die Osseointegra- tion vorhersagbarer. Der Löwenanteil der Früh- verluste (72%) nach einer Sofortimplantation tritt schon in den ersten sechs Monaten auf, also vor der definitiven prothetischen Versorgung [7]. Bei erfolgreicher Einheilung der Sofortimplantate können im Frontzahnbereich jedoch sehr geringe Knochenresorptionsraten von durchschnittlich 0,8mm sowie auch ästhetische Resultate mit ei- ner Schleimhautrezession von etwa 0,5 mm und einem Papillenrückgang von nur 0,4 mm beob- achtet werden [8]. Indikationsstellung nach Defektmorphologie Ästhetische Ergebnisse können mit Sofortimplan- taten nur bei richtiger Indikationsstellung erzielt werden (Abb.1a bis 5c). Jedoch eignet sich freilich nicht jede Ausgangssituation zur Sofortimplan- tation. Besonders nach einem Trauma oder einer traumatischen Extraktion fehlt die bukkale Kno- chenlamelle oft komplett und eine Implantation ist erst in einem zweiten Eingriff nach vorange- gangener Knochenaugmentation und längerer Ein- heilzeit möglich. Bei kleineren Knochendefekten ist auch ein simultaner Knochenaufbau zum Zeit- punkt der Implantation möglich. Allerdings ist die Remodellation des Augmentats nicht genau abschätzbar und es besteht das Risiko eines kom- promittierten ästhetischen Resultats durch eine Sofortimplantation nach dem Wiener Akademie-Konzept Neue Frontzähne am Tag der Extraktion Ein Beitrag von Univ.Prof. Dr. Georg Mailath-Pokorny, Prim. Dr. Rudolf Fürhauser und Priv.Doz. Dr. Bernhard Pommer, Wien/Österreich

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