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Bayerisches Zahnärzteblatt Januar 2016

nach bukkal freiliegende Implantatschulter. Fehlt also der bukkale Knochen nach der Zahnextrak- tion in beträchtlichem Ausmaß, empfiehlt sich eine sofortige „Socket-Preservation“, also das Auf- füllen der Alveole mit Knochen oder Ersatzmate- rial. Im klinischen Einsatz bewährt haben sich zu diesem Zweck Knochenersatzmaterialien auf Kollagenbasis und ein dichter Wundverschluss mittels Membran oder Weichgewebstransplantat. Die Implantation sollte dann „flapless“, also ohne Schleimhautlappen, und erst nach vollständiger Knochenheilung vier bis sechs Monate nach der Extraktion erfolgen. Sofortimplantate kommen also vorrangig bei unbeschädigter Alveolenwand oder nur geringfügigen Defekten der bukkalen Kno- chenlamelle zum Einsatz. Sofortbelastung – eine Frage der Primärstabilität? Eine zufriedenstellende Stabilität direkt nach dem Einbringen erfordert bei einer Sofortimplantation mehr chirurgisches Geschick sowie auch die Ver- wendung geeigneter Implantatgeometrien, da das Implantat nicht mit seinem vollen Umfang im ausgeheilten Alveolarknochen verankert werden kann. Eine ausreichende Primärstabilität ist jedoch ausschlaggebend für die erfolgreiche Osseointe- gration, gerade weil Sofortimplantate im Front- zahnbereich auch häufig sofort mit festsitzenden Provisorien belastet werden. Doch wie stabil muss ein Sofortimplantat mindestens sein? Für ver- blockte Implantatbrücken gilt die Faustregel, dass der „Bridge Insertion Torque“, also der Mittelwert der Eindrehmomente aller involvierten Implantate, nicht weniger als 35 Ncm betragen sollte, damit eine Sofortbelastung durchgeführt werden kann [9]. Dieser Richtwert konnte allerdings noch nie in einer klinischen Studie verifiziert werden. Es bleibt weiterhin fraglich, ob diese Minimalanforderung auch für Einzelzahnimplantate bei Sofortversor- gung gilt. Eine respektable Erfolgsrate von 96 Prozent nach fünf Jahren konnte in einer Studie von 68 Sofort- implantaten nach Sofortbelastung trotz einer Pri- märstabilität von nicht mehr als 25 Ncm beob- achtet werden [10]. Eine weitere Untersuchung er- gab sogar bei Eindrehmomenten von nur 15Ncm eine erfolgreiche Einheilung unter Sofortbelastung [11]. Durch Unteraufbereitung des Implantatbetts sollte es jedoch in den meisten Fällen möglich sein, eine höhere initiale Stabilität des Sofortimplantats zu erreichen. Dieser erhöhte Druck auf den Knochen im Bereich des Implantatapex scheint jedenfalls keine negativen Auswirkungen auf die Knochen- heilung auszuüben [12]. Studien ergaben jedoch auch, dass die regelmäßige Nachuntersuchung der Implantatstabilität mittels Resonanzfrequenz- analyse bei Sofortbelastung keine Prognose über eine erfolgreiche Osseointegration zulässt und sich ein möglicher Implantatverlust daher nicht anhand der Implantatstabilität voraussagen lässt [13]. Sofortimplantation trotz apikaler Beherdung? Die Entscheidung zur Sofortimplantation hängt zu- nächst vom Stadium der periapikalen Entzündung des jeweiligen Zahns ab – also ob es sich um einen akuten eitrigen Prozess oder um ein schmerzfreies chronisches Wurzelgranulom handelt [14]. Bei aus- gedehnten zystischen Läsionen kann die Raumfor- derung schon zu groß sein, um ein Sofortimplan- tat überhaupt mit ausreichender Primärstabilität im verbliebenen Knochen verankern zu können. In der Literatur wird die Erfolgsrate im Fall von periapikalen Entzündungen mit 92 bis 100 Pro- zent angegeben [15,16]. Eine retrospektive Ana- lyse von 418 Implantaten ergab eine Überlebens- rate von 98 Prozent nach zwei Jahren und folg- lich keinen Unterschied zu Implantaten nach der Extraktion entzündungsfreier Zähne [17]. Auch der marginale Knochenabbau unterschied sich in kontrollierten Studien nicht zwischen den ver- schiedenen Gruppen [18]. Während also kein signifikanter Unterschied zwi- schen Implantaten an der Stelle von beherdeten und nicht-beherdeten Zähnen besteht, kann eine stark reduzierte Erfolgsrate von nur 81 Prozent be- obachtet werden, wenn der benachbarte Zahn ne- ben dem Sofortimplantat eine apikale Entzündung aufweist [19]. Aus diesem Grund sollte im Rahmen der präimplantologischen Diagnostik der endo- dontische Zustand der Nachbarzähne (aber natür- lich auch der übrigen Restbezahnung) gründlich evaluiert werden, damit Probleme bei der Osseo- integration von Sofortimplantaten wegen periapi- kaler Entzündungen in der Umgebung verhindert werden können. Sofortversorgung als Schlüssel zum ästhetischen Erfolg Zur Sofortversorgung von Sofortimplantaten im Frontzahnbereich wird bei der Copy-Abutment- Methode nach Fürhauser et al. 2006 [20] nach dem Grundsatz „Kopieren statt interpretieren“ das Emergenzprofil des natürlichen Zahns exakt über- BZB Januar/Februar 16 Wissenschaft und Fortbildung 54

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