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Bayerisches Zahnärzteblatt Januar 2016 - Behandlung periimplantärer Läsionen

BZB Januar/Februar 16 Wissenschaft und Fortbildung 56 Implantate haben sich zu einem Routineverfahren in der modernen Zahnheilkunde entwickelt. Aller- dings existieren bis heute nur wenige Konzepte zur Behandlung periimplantärer Infektionen. Entschei- dend scheint jedoch gerade bei einem fortgeschrit- tenen Defekt ein direkter chirurgischer Zugang. Die zusätzliche Auffüllung des Defektes mit Bio- materialien wird aktuell in der Literatur kritisch diskutiert. Dentale Implantate sind ein Routineverfahren in der modernen Zahnmedizin. Periimplantäre Kom- plikationen können jedoch den Langzeiterfolg von implantatgetragenen Restaurationen einschrän- ken. Zwar sind für dentale Implantate Überlebens- raten von bis zu 95,6 Prozent nach fünf Jahren sowie 93,1 Prozent nach zehn Jahren beschrieben, jedoch werden bei diesen Zahlen weder mechani- sche Komplikationen wie Keramikabplatzungen oder Schraubenlockerungen noch biologische Kom- plikationen wie beispielsweise periimplantäre Mu- kositis oder Periimplantitis dazugezählt [1]. Be- rücksichtigt man diese Ereignisse, zeigt sich, dass nur bei 66,4 Prozent aller Patienten keinerlei Kom- plikationen im Rahmen einer implantatprotheti- schen Versorgung aufgetreten sind [1]. Darüber hinaus scheint es auch Risikopatienten für periimplantäre Erkrankungen zu geben: So beziffern aktuelle klinische Untersuchungen die Inzidenz von periimplantären Erkrankungen bei Patienten mit einer parodontalen Vorerkrankung nach fünf Jahren auf circa 18 Prozent bei strikter Durchführung einer parodontalen Nachsorge [2]. Diese Zahlen scheinen auch den Ergebnissen einer klinischen Langzeituntersuchung von Patienten mit moderater Parodontitis über zehn Jahre zu ent- sprechen, die Periimplantitisraten von circa 16 Pro- zent aufzeigen [3]. Diese Ergebnisse sind umso mehr von klinischer Bedeutung, da bis heute keine klinischen Leitlinien zur effektiven Behandlung von periimplantären Infektionen bestehen. So konnten Renvert et al. zeigen, dass nicht-chirurgische Therapieansätze zwar bei periimplantärer Mukositis wirken, jedoch nicht in der Lage sind, Periimplantitiden erfolg- reich zu therapieren [4]. Claffey et al. untersuchten im Rahmen einer Übersichtsarbeit chirurgische Verfahren zur Periimplantitisbehandlung und konkludierten, dass reine Zugangslappen mit Im- plantatdekontamination in circa 60 Prozent er- folgreich sind und Verfahren zur Knochenaug- mentation mit höchst unterschiedlichem klini- schen Erfolg vergesellschaftet sein können [5]. In einer kürzlich veröffentlichten Übersichtsarbeit konnten aufgrund unterschiedlicher Periimplanti- tisdefinitionen und der Heterogenität der unter- suchten Studien keine Empfehlungen hinsichtlich einer evidenzbasierten Behandlungsstrategie für periimplantäre Läsionen gegeben werden [6]. Al- lerdings empfehlen die Autoren – ähnlich wie bei einer parodontalen Behandlung – ein Stufenkon- zept. Dies besteht primär aus einer nicht-chirur- gischen Behandlung mit Mundhygieneinstruktion sowie einer Verbesserung der Reinigungsfähigkeit der Suprakonstruktion. Persistiert die periimplan- täre Läsion weiterhin, werden eine chirurgische Darstellung, Degranulation und gegebenenfalls eine Stabilisierung der Defekte durch Biomateria- lien empfohlen [6]. Einige klinische Untersuchungen legen nahe, dass der Schwellenwert für eine vorhersagbare nicht- chirurgische Therapie auch mit zusätzlichen Ad- juvantien wie zum Beispiel lokalen Antibiotika und Glycin-Pulver-Wasserspray [7] bei circa 6mm Taschentiefe liegt [8-10]. Bei Läsionen mit tieferen Sondierungen oder im Fall eines Therapierezidivs sollten daher chirurgische Verfahren zur Anwen- dung kommen. Ziel dieses Artikels ist die Darstellung eines klini- schen Beispiels einer chirurgischen Periimplantitis- therapie mit Auffüllung der Defektkomponente. Fallbericht Ein 45-jähriger Patient stellte sich mit Sondie- rungstiefen von 11 mm und gleichzeitiger Pus- entleerung am Implantat 15 vor (Abb. 1 und 2). Behandlung periimplantärer Läsionen Chirurgische Techniken mit Defektfüllung – ein Fallbericht Ein Beitrag von Priv.-Doz. Dr. Stefan Fickl, Würzburg

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