Please activate JavaScript!
Please install Adobe Flash Player, click here for download

Bayerisches Zahnärzteblatt Januar 2016 - Implantologie nach Knochenaugmentation

Wissenschaft und Fortbildung BZB Januar/Februar 16 61 Die dentale Implantologie ist in der modernen Zahnheilkunde ein nicht mehr wegzudenkendes Mittel zum Zahnersatz geworden. Die Osseointe- gration ist aufgrund intensiver Forschung und da- rauf basierender Oberflächenmodifikationen als ein weitgehend gelöstes Problem zu betrachten [2,15,17,49]. Was ist aber bei kleinen und größe- ren Kieferknochendefekten zu tun, wie sie beispiels- weise nach ablativer Tumorchirurgie entstehen? Während diese Situationen in den Anfängen der dentalen Implantologie noch ein ungelöstes Pro- blem darstellten, existieren heute Konzepte, um eine kaufunktionelle und ästhetische Rehabilitation auch bei großen Defekten zu ermöglichen. Im Fol- genden sollen aktuelle Möglichkeiten und Grenzen der Implantologie nach Knochenaugmentation an- hand klinischer Beispiele vorgestellt werden. Planung Die exakte Positionierung eines Implantats in der prothetisch gewünschten Position entscheidet über ein funktionell, ästhetisch und prothetisch opti- males Ergebnis. Das Endergebnis muss bereits vor einer geplanten Kieferaugmentation berücksichtigt werden. Dieses Backward Planning kann mittels Wax-up oder virtuell am Computer – basierend auf dem Datensatz einer DVT oder CT – erfolgen [50]. Die Wahl des augmentativen Verfahrens orientiert sich an der vorhandenen Restknochenhöhe und -breite. Zuerst sollte die Entscheidung hinsichtlich eines ein- oder zweizeitigen Verfahrens zur Rekons- truktion getroffen werden. Grundsätzlich gilt, dass ein zweizeitiges Verfahren dann durchgeführt wer- den muss, wenn der vorhandene Restknochen die Implantation in der korrekten prothetischen Posi- tion nicht erlaubt oder wenn während der Implan- tation keine ausreichende Primärstabilität erreicht werden kann. Dann scheiden Techniken wie bei- spielsweise die laterale Augmentation mit oder ohne Membran, Bone Splitting oder Bone Spreading als alleinige Lösung aus [28,32,35,56]. Socket Preservation und Augmentation kleiner Defekte Nach einem Zahnverlust kommt es aufgrund der fehlenden funktionellen Belastung des Alveolar- fortsatzes über das Desmodont zu einer fortschrei- tenden Knochenatrophie. Die knöcherne Situation zum Zeitpunkt des Zahnverlustes und das Remo- delling im Heilungsverlauf bestimmen die knö- cherne Substanz als Grundlage für die Implanta- tion [7]. Durch frühzeitige Implantatinsertion und Techniken der Socket/Ridge Preservation (atrauma- tische Extraktion, Erhalt der bukkalen Knochen- wand, Einsatz von Knochenersatzmaterial, Mem- branen und Bindegewebstransplantaten) kann der Knochenverlust begrenzt werden [38]. Augmentation ein- oder zweiwandiger kleiner Defekte Zur Rekonstruktion kleiner Knochendefekte bei simultaner Implantation können autologe Kno- chenspäne sowie allogenes, xenogenes oder allo- plastisches Knochenersatzmaterial verwendet wer- den. Dieses meist in partikulierter Form vorliegende Material wird genutzt, um begrenzte Knochen- defekte oder Spalten zwischen Implantat und Kno- chenwand bis etwa 2 mm auszugleichen [14,19,39]. Meist wird es in Kombination mit Membranen ein- gesetzt, um dem Material mehr Dimensionsstabi- lität zu verleihen und eine bessere Steuerung der Gewebeheilung im Sinne der Guided Bone/Tissue Regeneration zu erreichen [42]. Ein weiterer Ansatz besteht in der Gewinnung von zentrifugiertem Plasma, dem Platet Rich Plasma aus dem Eigenblut des Patienten, welches zu einem membranartigen Material weiterverarbeitet wird. Durch den konzentrierten Gehalt an Gerinnungs- und Wachstumsfaktoren nach Beimischung zum Augmentat wird diesem mehr biologisches Poten- zial [3,5] zugesprochen und eine größere Standfes- tigkeit des Materials erreicht. Implantation und Augmentation XXL Möglichkeiten und Grenzen der Implantologie nach Knochenaugmentation Ein Beitrag von Dr. Jan Wolff 1 , Prof. Dr. Dr. Martin Gosau 1 , Dr. Till Gerlach 2 und Prof. Dr. Ralf Bürgers 3 1 Klinik für Mund-, Kiefer- und plastische Gesichtschirurgie, Klinikum Nürnberg, Universitätsklinik der Paracelsus Medizinischen Privatuni- versität 2 Chirurgische Fachzahnarztpraxis Dr.Kornmann & Dr.Gerlach und Kollegen, Oppenheim 3 Universitätsmedizin Göttingen, Poliklinik für zahnärztliche Prothetik Wissenschaft und Fortbildung BZB Januar/Februar 1661

Seitenübersicht