Please activate JavaScript!
Please install Adobe Flash Player, click here for download

Bayerisches Zahnärzteblatt Januar 2016

Wissenschaft und Fortbildung BZB Januar/Februar 16 63 (Abb. 1a bis 2c). Hierbei kann das Transplantat als mono- oder bikortikaler Knochenblock gehoben werden. Die zu versorgende Defektgröße sollte 5 bis 7 cm nicht überschreiten [1,24]. Der Knochen kann dem Defekt entsprechend variabel gestaltet und angepasst werden. Zusätzlich kann Spongiosa ent- nommen werden, um verbleibende Hohlräume oder Restspalten auszufüllen. Nachteile sind die zusätzliche Morbidität im Entnahmebereich und die zum Teil beträchtliche Resorption des Augmen- tats mit bis zu 25 Prozent des Volumens [26,33,41]. Der Patient ist während der postoperativen Phase in seiner Mobilität eingeschränkt, sodass eine medi- kamentöse Thromboseprophylaxe erfolgen sollte. Rekonstruktion ausgedehnter Defekte mittels mikrovaskulärer Transplantate Im Falle großer Kieferdefekte nach ausgedehnten Kontinuitätsresektionen bedingt durch Tumoren, Osteomyelitiden oder Kiefernekrosen kann der Pa- tient meist nur durch den Einsatz mikrovaskulär- reanastomosierter Transplantate sinnvoll rehabi- litiert werden [18]. Zum Einsatz kommen Trans- plantate aus dem Wadenbein (Fibula), Becken- kamm oder Schulterblatt [57]. Es können rein knö- cherne wie auch kombinierte Knochen-Weichteil- Defekte versorgt werden. Die Rekonstruktion ausgedehnter Kieferdefekte des Ober- und Unterkiefers mittels osteokutanem Fibulatransplantat (Abb. 3a bis j) ist eine bewährte und vielseitig einsetzbare Methode [30]. Eine Ver- besserung hat dieses Verfahren durch die präope- rative, virtuelle Planung am Computer und die hierauf basierende Erstellung von individuellen Osteosyntheseplatten und Sägeschablonen (Cut- ting Guides) erlangt. Durch diese Techniken kann eine hohe Passgenauigkeit und dimensionsgetreue Rekonstruktion des Kiefers als optimale Vorberei- tung für Implantate ermöglicht werden [8,48]. Implantologisches Vorgehen Die Implantatinsertion in Fibulatransplantate ist gut untersucht und die Ergebnisse sind vorhersag- bar [11]. Trotz der vergleichsweise geringen Höhe des Knochens wird bei relativ harter Knochen- struktur mit dicker Kortikalisschicht eine gute Sta- bilität erreicht. Zudem kann bei Verwendung der Fibula die vertikale Höhe des Knochens durch eine Doppelung des Transplantats verbessert werden, die sogenannte Double Barrel-Technik [31]. Dieses Verfahren (Abb. 4a bis c) kann sowohl zum Ober- als auch Unterkieferersatz angewendet werden [9]. Die Transplantate weisen aufgrund der sofortigen Durchblutung eine gute Dimensionsstabilität und vergleichsweise geringe Resorption (8 bis 17 Pro- zent) auf [40]. Nach einer Einheilphase von drei bis fünf Mona- ten kann die Implantation in den rekonstruierten Bereich erfolgen. Zu diesem Zeitpunkt hat die knö- cherne Durchbauung, vor allem an den Kontakt- flächen des ortsständigen Knochens zur Fibula oder den Sägestellen in der Fibula, durch Kontu- rierung stattgefunden. Die präimplantologisch- prothetische Planung und Festlegung der Implan- tatpositionen sollte mittels Bohrschablonen auf die intraoperative Situation übertragen werden [23,60]. Bei der Implantatfreilegung wird häufig eine Lappenausdünnung und Konturierung des Weichgewebes durchgeführt. Mit Rolllappen kön- nen zudem die Weichgewebsverhältnisse optimiert werden. Auch können apikale Verschiebelappen Abb. 2a bis c: Unterkieferersatz mit nicht vaskularisiertem Beckenkammtransplantat bikortikal. Ausgangssituation nach Tumorresektion (a), Fixieren des Beckenkamm- transplantats (b), Einheilung und Implantatinsertion (c). a b c Wissenschaft und Fortbildung BZB Januar/Februar 1663

Seitenübersicht