Please activate JavaScript!
Please install Adobe Flash Player, click here for download

Bayerisches Zahnärzteblatt Januar 2016

Wissenschaft und Fortbildung BZB Januar/Februar 16 65 zur Verbesserung der Lage der mukogingivalen Grenze oder Bindegewebstransplantate zur Etab- lierung einer Attached Gingiva vor der protheti- schen Versorgung zum Einsatz kommen [22]. Die Abformung erfolgt frühestens nach zwei Wo- chen. Mittels einer unterdimensionierten provi- sorischen Krone kann bei reduzierter knöcher- ner Belastung ein Knochentraining zur optimalen Osseointegration beitragen und zusätzlich das Emergenzprofil optimal ausformen. Die endgül- tige Versorgung erfolgt häufig unter der Verwen- dung individueller Abutments [10,21]. Obturatorprothese Wenn bei Oberkieferdefekten eine Rekonstruktion nicht gewünscht oder aus medizinischen Gründen nicht möglich ist, existiert die Option einer implan- tatgetragenen Obturatorprothese. Diese erlaubt dem Patienten bei guter Passung die Mastikation, Artikulation und den dichten Abschluss zur Na- sen-/Kieferhöhle bei durchaus guten ästhetischen Ergebnissen. Die korrekte Abformung und prothe- tisch-labortechnische Herstellung erfordern jedoch profunde Kenntnisse und Erfahrung im Bereich der Defektprothetik (Abb. 5a bis h). Allgemeinerkrankungen und Medikamenteneinnahme Eine ganze Reihe äußerer Faktoren und Allge- meinerkrankungen wie Rauchen, Diabetes melli- tus und Herz-Kreislauf-Erkrankungen können das implantologische Ergebnis negativ beeinflussen. Medikamente bilden einen weiteren einflussgeben- den Faktor. Implantate bei antiresorptiver Therapie Bisphosphonate zählen mittlerweile zu den am häufigsten verordneten Arzneimitteln zur Behand- lung der Osteoporose in Deutschland [25,29]. Wei- terhin werden Bisphosphonate und Antiresorptiva unter anderem bei der Behandlung von Skelett- metastasen des Mamma- oder Prostatakarzinoms eingesetzt, um Frakturen vorzubeugen. Aufgrund der zunehmenden Verbreitung dieser Medika- mente ist inzwischen jeder zahnärztlich tätige Kollege mit dem Bild der bisphosphonat- (BRONJ, vgl. Abb. 3a) beziehungsweise medikamentenasso- ziierten Osteonekrose (MRONJ) des Kiefers vertraut. Leider erweisen sich diese Krankheitsbilder häufig als therapierefraktär. Zahnärztlich-chirurgische Ein- griffe wie die Implantatinsertion haben aufgrund des reduzierten Knochenumbaus [4] und der be- einträchtigten Weichgewebsheilung [52] eine er- höhte Komplikationsrate und können als Auslöser von Nekrosen fungieren. Es existieren derzeit nur vage expertenbasierte Empfehlungen zur Implan- tattherapie unter antiresorptiver Medikation. Auf- grund der momentanen Studienlage kann die Im- plantatinsertion unter oraler Bisphosphonatthera- pie und bei benigner Grunderkrankung (Osteopo- rose) als vergleichsweise wenig risikoreich bewertet werden [34], während bei intravenöser Applikation der Medikamente und maligner Grunderkrankung ein stark erhöhtes Risikoprofil besteht [36,59] und von Implantaten und insbesondere Augmentatio- nen abzuraten ist [36]. Eine Ausnahme hierbei bilden vaskularisierte Transplantate, die bei fortgeschrittenen Stadien der MRONJ und mehrfachem Versagen lokaler chirurgischer Maßnahmen zur Rekonstruktion des Kiefers eingesetzt werden können. Implantationen in diese vaskularisierten Transplantate unter anti- resorptiver Therapie sind beschrieben und von den Autoren mehrfach erfolgreich durchgeführt wor- Abb. 4a bis c: Varianten des Fibulatransplantats. Doppelung des Fibulatransplantats zum Unterkieferersatz (a), Oberkieferrekonstruktion mittels Fibulatransplantat (b) sowie eingeheilte Fibula mit inserierten Implantaten (c). a b c Wissenschaft und Fortbildung BZB Januar/Februar 1665

Seitenübersicht