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Bayerisches Zahnärzteblatt Januar 2016

Wissenschaft und Fortbildung BZB Januar/Februar 16 67 den. Es existieren diesbezüglich aber noch keine aussagekräftigen Studien. Implantate unter Antikoagulation Die Behandlung mit Antikoagulantien stellt keine Kontraindikation für eine Implantation dar. Sie erfordert jedoch eine strenge Indikationsstellung, ein gutes perioperatives Management sowie eine enge Zusammenarbeit mit dem behandelnden Hausarzt/Internisten. Durch Einblutungen und Gefäßverletzungen im Bereich des Mundbodens kann es zu bedrohlichen Blutungen und Schwel- lungen mit Atemwegsverlegung kommen [46]. Die orale Antikoagulationstherapie (OAK) mit Kumarinen sollte bei der Insertion einzelner Im- plantate analog der Zahnextraktion [16] beibehal- ten und nicht durch Heparine substituiert werden [37]. In Absprache mit dem betreuenden Haus- arzt/Internisten muss präoperativ eine sorgfältige Einstellung des INR im oberen therapeutischen Bereich erfolgen. Bei umfangreicheren Implantat- insertionen, Augmentationen und Osteotomien ist die Behandlung unter stationären Bedingungen angezeigt. Die Therapie mit Plättchenaggregations- hemmern (z.B. ASS, Clopidogrel) oder den neuen direkten oralen Antikoagulantien (DOAK, z.B. Dabi- gatran, Rivaroxaban) erfordert ebenfalls die enge Zusammenarbeit mit dem behandelnden Arzt. Die Behandlung bei angeborenen Gerinnungsstörun- gen (z.B. Hämophilie, von-Willebrand-Jürgens-Syn- drom) sollte unter stationären Bedingungen und in enger Abstimmung mit dem betreuenden Hämos- taseologen erfolgen. Implantate nach Bestrahlung Im bestrahlten Kieferknochen ist die Osteoblasten- aktivität und somit die Fähigkeit zu Remodelling und Osseoregeneration vermindert [20]. In der Ver- gangenheit wurden häufig verminderte Langzeit- überlebensraten von Implantaten im bestrahlten Kiefer beschrieben [27]. Aktuelle Studien haben je- doch gezeigt, dass im bestrahlten Kiefer eine Os- seointegration beobachtet werden kann und gute, auch langzeitstabile Ergebnisse möglich sind [13]. Zudem stellen Implantate beim bestrahlten Pa- tienten aufgrund der meist vorhandenen Xerosto- mie oft die einzig sinnvolle Option einer kaufunk- tionellen Rehabilitation dar. Nach der Bestrahlung sollte dem Kieferknochen und/oder rekonstruier- ten Knochen eine Erholungsphase von mindestens sechs Monaten vor der Implantation zugestanden werden [12]. Die Implantation sollte mit einer perioperativen antibiotischen Therapie kombiniert und augmen- tative Verfahren vermieden werden. Eine span- nungsfreie Weichteildeckung sowie die gedeckte Einheilung der Implantate sind zwingend erforder- lich. Nach der Freilegung ist eine periimplantäre, dünne und fixierte Weichgewebsmanschette anzu- streben, um einen dichten Abschluss um das Im- plantat herum zu gewährleisten und so den Kiefer- knochen vor Infektionen zu schützen. Regelmäßige Kontrolltermine und eine optimale Mundhygiene sind essenziell. Fazit Bei der Rekonstruktion kleiner und mittelgroßer Defekte stellt das autologe Knochentransplantat den Goldstandard dar. Ausgedehnte Kieferdefekte können mit vaskularisierten Transplantaten di- mensionsgetreu und stabil rekonstruiert werden. Mithilfe der präoperativen, virtuellen Planung wird das augmentative/rekonstruktive Verfahren vorhersagbar und das Ergebnis kann optimiert werden. Es ist ein weiterer Schritt im Sinne eines ausgedehnten Backward Planning, um die opti- male Implantatposition für die spätere protheti- sche Versorgung zu erzielen. Eine Herausforderung ergibt sich durch den Ein- satz antiresorptiver Medikamente. Bei intravenöser Applikation sollten Implantate derzeit als kontra- indiziert gelten, während bei oraler Applikation ein vertretbares Risiko zu bestehen scheint. Bei der implantologischen Versorgung von Patienten mit antiresorptiver Medikation und bei bestrahlten Pa- tienten muss das Augenmerk des Behandlers auf einer exzellenten Mundhygiene des kompromit- tierten Patientenklientels liegen. Ein regelmäßi- ger, engmaschiger Recall und das strikte Einbin- den in ein optimales Mundhygienemanagement sind obligat. Korrespondenzadresse: OA Dr.Jan Wolff Prof.Dr.Dr.Martin Gosau Klinik für Mund-, Kiefer- und plastische Gesichtschirurgie, Klinikum Nürnberg Universitätsklinik der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität Breslauerstraße 201 90471 Nürnberg Jan.Wolff@klinikum-nuernberg.de Literatur bei den Verfassern Wissenschaft und Fortbildung BZB Januar/Februar 1667

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