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Bayerisches Zahnärzteblatt Januar 2016 - Pestbakterien in Zähnen von Toten liefern neue Erkenntnisse

BZB Januar/Februar 16 Reise und Kultur 70 KZVB Jede anthropologische Entdeckung führt zu neuen Erkenntnissen, die bisherige Thesen ins Wanken ge- raten lassen. So auch im Fall der Pest, genauer: wo die Pestausbrüche in Europa zwischen dem 14. und 18. Jahrhundert ihren Ausgangspunkt hatten. Sechs Jahre tobte der Schwarze Tod zwischen 1347 und 1353 in Europa – mit furchtbaren Fol- gen. Vermutlich starben 25 Millionen Menschen, etwa ein Drittel der damaligen europäischen Be- völkerung. Zuvor gab es mit der „Justianischen Plage“ vom 6. bis 8. Jahrhundert bereits einmal eine große Pandemie, die bis nach Europa ge- langte. Bislang vermuteten die Forscher, dass die Pesterreger über die Jahrzehnte hinweg immer wieder aus Asien nach Europa eingeschleppt wur- den und hier nie „überlebten“. Rattenflöhe gal- ten als Überträger, die ihren Weg über die Han- delsrouten von Fernost unter anderem bis vor die Tore Münchens fanden und den gefürchteten Schwarzen Tod brachten (siehe auch „Wie die Pest nach Bayern kam“, BZB 9/2015). Nun hat sich die Forschermeinung zumindest teil- weise geändert, wie die „Süddeutsche Zeitung“ be- richtete. Es gibt Anzeichen, dass der Erreger auch in Europa heimisch wurde. Zwei Forschergruppen untersuchten Leichen, die zwischen dem 14. und 18. Jahrhundert in Bayern, Brandenburg und Mar- seille bestattet wurden. Einmal mehr waren es die Zähne der Toten, die neue Erkenntnisse lieferten. Im Dentin fand sich genügend Erbgut des Pesterre- gers Yersinia pestis für eine detaillierte Analyse. Sie veranlasst die Forscher zu der Hypothese, dass das Bakterium wahrscheinlich um 1300 über jene be- reits vermuteten Wege durch Ratten als Überträger nach Europa gelangte, die folgenden Jahrhunderte aber wohl auch auf dem Kontinent blieb. In welchem Wirt der Erreger die Jahrhunderte über- dauerte, ist noch nicht bekannt. „Vielleicht waren es Läuse“, vermutet der Molekularbiologe Holger Scholz vom Institut für Mikrobiologie der Bundes- wehr in München in der „Süddeutschen Zeitung“. Zusammen mit Forschern der Ludwig-Maximilians- Universität und der Staatssammlung für Anthro- pologie und Paläoanatomie in München hat Scholz 30 Leichen, die über einen Zeitraum von 300 Jah- ren gestorben waren, untersucht. Bei sechs Toten fanden sie in den Zähnen genug Erbgut des Pest- Der Schwarze Tod überlebte in Europa jahrhundertelang Pestbakterien in Zähnen von Toten liefern neue Erkenntnisse Foto: gemeinfrei Der Schwarze Tod beschäftigte auch die Künstler. „Die Pest in Marseille“ hält das Grauen, das 1720 in Frankreich ausbrach, bildlich fest.

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