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Bayerisches Zahnärzteblatt Januar 2017

nur im Krankheitsfall, sondern auch im Alltag ge- schieht, zeigt das veränderte Gesundheitsbewusst- sein der Patienten. Sie sehen sich immer mehr in der Verantwortung, ihre eigene Gesundheit selbst in die Hand zu nehmen. Gleichzeitig fragen sie ver- stärkt Leistungen und Produkte nach, die auf sie persönlich zugeschnitten sind. Für alle Akteure der Gesundheitsbranche gilt es, die wachsende Datenmenge dieses zweiten Ge- sundheitsmarkts mit den Informationen des ersten Gesundheitsmarkts so zu vernetzen, dass für den Patienten ein individueller Nutzen entsteht. Vor diesem Hintergrund etablieren sich mit der perso- nalisierten Medizin neue Diagnose- und Therapie- möglichkeiten. Hier geht es unter anderem darum, individuelle Daten zu Profilen zu verdichten und die Diagnostik sowie die Versorgung der Patienten auch in der (Zahn-)Arztpraxis und Apotheke noch wirksamer und individueller zu gestalten. Somit bedeuten die neuen Technologien beziehungsweise Möglichkeiten auch eine große Chance für das heil- berufliche Wirken. Berger: Mit der Nutzbarmachung von Gesundheits- daten stellt sich die Frage nach dem Datenschutz und der Datenhoheit. An dieser Stelle liest sich die Studie so, als müsse man Gesundheitsdaten freigeben, um tatsächlich von der Digitalisierung zu profitieren. Birgt das nicht erhebliche Gefahren im Hinblick auf das Selbstbestimmungsrecht aller Beteiligten, der Patienten ebenso wie der (Zahn-)Ärzte? Sommer: Sicherlich müssen die neuen Möglichkei- ten ethischen und rechtlichen Grundsätzen strikt folgen, einschließlich der Datenschutzbestimmun- gen. Somit bleiben sensible Patientendaten ver- traulich und vor Missbrauch geschützt. Dies sind auch unabdingbare Voraussetzungen für eine ge- sellschaftliche Akzeptanz. Die neuen Datenschätze wecken darüber hinaus natürlich auch Begehrlichkeiten. Hierbei muss ge- währleistet bleiben, dass die entstehenden anony- men Daten mit Einwilligung des Patienten zu einer „besseren“ Versorgung genutzt werden. In diesem Sinne gilt es, die regulatorischen Rahmenbedin- gungen so zu setzen, dass Patientennutzen, Patien- tensicherheit und Datenschutz stets im Fokus blei- ben. Gleichzeitig darf eine allzu enge Auslegung des ohnehin schon strengen Datenschutzes nicht die Chancen vertun, die die personalisierte Medi- zin uns in der Patientenversorgung bietet. Dies würde der Innovationsfähigkeit und dem Fortschritt in der Versorgungsvielfalt und -qualität schaden. Berger: Im vergangenen Jahr beschäftigte sich Ihre Bank im Rahmen einer sogenannten 360-Grad-Studie schwerpunktmäßig mit der „Digitalisierung im Gesund- heitsmarkt“. Welche wesentlichen Erkenntnisse haben Sie dabei gewonnen? Sommer: Die 360-Grad-Studie der apoBank skiz- ziert ein Gesamtbild der wesentlichen Entwicklun- gen der Digitalisierung im Gesundheitsmarkt aus dem Blickwinkel der verschiedenen Marktteilneh- mer. Die Ergebnisse unserer Studie zeigen, dass die Heilberufler in Deutschland eine hohe Sensibilität für das Potenzial der Digitalisierung – vor allem für eine einrichtungs- und sektorenübergreifende Vernetzung – haben. Ihrer Meinung nach liegen die Chancen in einer verbesserten medizinischen Versorgung, einer transparenten Kommunikation und einem effizienten Datenmanagement. Gleichzeitig haben die Heilberufler aber keine ge- naue Vorstellung der Auswirkungen im Detail und was diese für sie in der alltäglichen Ausübung ih- res Berufs bedeuten. Aus unserer Sicht besteht die Herausforderung für jeden Einzelnen deshalb da- rin, aus der individuellen Sicht heraus die Vorteile der Digitalisierung zu erkennen. Niedergelassene sollten ihre Praxen und Apotheken zukunftssicher aufstellen und digitale Möglichkeiten ausschöpfen, beispielsweise für organisatorische Zwecke, um die eigenen Ressourcen noch effektiver für den Kern ihrer medizinischen und pharmazeutischen Tätig- keit nutzen zu können. Berger: Welche Rolle spielen Ihrer Meinung nach die Körperschaften der Heilberufe auf dem Sektor der Digitalisierung? Sommer: Im Rahmen unserer 360-Grad-Studie ha- ben wir uns auch mit dieser Fragestellung intensiv beschäftigt. Dabei wurde deutlich: Die Angehö- rigen der Heilberufe wünschen sich beim Thema „Digitalisierung“ eine intensive Begleitung – nicht zuletzt auch durch ihre Standesorganisationen. Ihre Rolle als Bindeglied zwischen den Heilberuflern und der Gesundheitspolitik sowie als Berater ihrer Mitglieder wird in Zukunft auf dem Spielfeld der Digitalisierung stark gefordert sein. Um diese Scharnierfunktion zu erfüllen, müssen die Organisationen sich zunächst – falls nicht schon geschehen – selbst mit aktuellen digitalen Entwicklungen auseinandersetzen und daraus eine individuelle Strategie für die jeweilige Institution ableiten. Darüber hinaus ist es unserer Meinung nach wichtig, auch in den Diskurs mit den Ange- hörigen der Heilberufe und anderen Akteuren im | BZB Januar/Februar 17 | Politik 10 BLZK

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