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Bayerisches Zahnärzteblatt Januar 2017 - Zahnarztmobil im Krisengebiet – Internist Marwan Khoury hilft seinen Landsleuten in Syrien

Zahnarztmobil im Kriegsgebiet Internist Marwan Khoury hilft seinen Landsleuten in Syrien Marwan Khoury (M.D., Univ. Dam.) leitet in Hof ein MVZ. Neben der Arbeit in der Praxis investiert er auch viel Zeit für die Barada-Syrienhilfe, die er kurz nach Ausbruch des Bürgerkriegs gründete. BZB: Sie sind Syrer, haben in Damaskus Medizin stu- diert und begannen Anfang der 1980er-Jahre Ihre Facharztausbildung in Niedersachsen. Warum kamen Sie nach Deutschland? Khoury: Ich bin 1980 nach Deutschland gekom- men, um meine Facharztausbildung zu absolvie- ren. Dazu hat mich ein syrisches Gesetz bewogen. Das ermöglichte – wenn man gute Noten hatte –, vor dem Militärdienst seine Ausbildung im Ausland zu machen und anschließend zurückzukehren. Ich wusste damals schon, dass ich auf keinen Fall den Militärdienst ableisten wollte und deshalb habe ich Gas gegeben. So konnte ich für meine Ausbildung nach Deutschland und hatte auch nicht vor, zu- rückzukehren. In den 1990er-Jahren gab es dann ein neues Gesetz, mit dem man sich vom Militär- dienst freikaufen konnte. Das habe ich genutzt. BZB: Sie sind Initiator der Barada-Syrienhilfe. Wofür setzt sich die Organisation ein? Khoury: Der Konflikt hat als Revolution für Freiheit und Menschenwürde begonnen. Dann wurde er immer mehr zu einem militärischen Kampf. Bereits 2012 waren wir an der syrisch-türkischen Grenze und haben mit den Flüchtlingen erste Kontakte auf- genommen. Wir haben außerdem gesehen, dass die Weltgemeinschaft beziehungsweise die UNO to- tal versagt haben. Die Menschen mussten teilweise mehrere Nächte ohne Zelte auf dem Boden schla- fen. Da haben meine Familie und ich entschieden, eine Organisation zu gründen, um den Menschen vor Ort zu helfen. Wenn die Weltgemeinschaft ver- sagt, müssen wir etwas tun. Wir können die Lage nicht so akzeptieren, wie sie ist. Mittlerweile fühlen wir uns in unserem Handeln bestätigt. Denn es ist uns bekannt, dass die UNO, die Welthungerhilfe und das Internationale Rote Kreuz nur in die Gebiete gehen, in denen ihnen die Erlaubnis von Staatschef Assad vorliegt. Aber wir bekommen eben Bilder von zerstörten Krankenhäusern und verhungerten Kin- dern. Das passiert in belagerten Gebieten. Also Ge- bieten, zu denen die großen Organisationen keinen Zutritt erhalten. Leider akzeptiert die UNO auch diese Schikane der Assad-Regierung. BZB: Sie haben drei Schwerpunkte – Bildung, Notver- sorgung und medizinische Hilfe. Worauf konzentrieren Sie sich bei der Bildung? Khoury: Wir sind der Meinung, dass Bildung die beste Waffe gegen Terror und Fundamentalismus ist. Nun können aber mehrere Millionen Kinder seit Jahren nicht zur Schule gehen. Deswegen be- treuen wir zwei Schulen. Eine befindet sich an der syrisch-türkischen Grenze. Hier lernen 350 Kinder. Aktuell geht es bis zur siebten Klasse. Jedes Jahr kommt eine hinzu. Unser Ziel ist es, dass sie bei uns in einigen Jahren auch ihr Abitur machen können. Eine weitere Schule für syrische Kinder befindet sich in der Türkei in einem kleinen Ort bei Antakya. BZB: Wie können Sie bei der Versorgung helfen? Khoury: Wir wollen zur Notversorgung beitragen. Die Mangelernährung geht so weit, dass Mütter keine Milch produzieren können, um ihre Kinder zu stillen. Darum bringen wir seit einigen Jahren Die Patienten in den syrischen Kriegsgebieten werden von ein- heimischen Zahnärzten behandelt, das Verbrauchsmaterial wird durch Spenden aus Deutschland finanziert. Foto: privat | BZB Januar/Februar 17 | Praxis 32 KZVB

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