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Bayerisches Zahnärzteblatt Januar 2017

Ersatzmilch in die befreiten Gebiete Nordsyriens und verteilen diese mit unseren Kooperationspart- nern. Außerdem verteilen wir Nahrungspakete an die syrische Bevölkerung. Das ist zwar nur ein Trop- fen auf den heißen Stein, aber wir können nicht ein- fach nur der Not der Menschen zuschauen. An die- ser Stelle möchte ich mich auch bei der deutschen Bevölkerung bedanken. Ohne deren Unterstützung könnten wir diese Hilfe gar nicht leisten. BZB: Als Arzt liegt Ihnen natürlich auch die medizini- sche Versorgung am Herzen. Khoury: Richtig. Deswegen engagieren wir uns auch in diesem Bereich. In Deutschland werden ja viele Geräte ausgemustert, die noch funktionstüch- tig sind. Einige Geräte bekommen wir und bringen sie nach Nordsyrien. Jetzt gibt es kaum ein Kranken- haus dort, das nicht ein Gerät von uns hat. BZB: Wie gefährlich ist der Einsatz für die Helfer vor Ort? Khoury: Natürlich ist der Einsatz in Nordsyrien ge- fährlich, denn es herrscht fast immer Dauerbom- bardierung. Vor zwei Jahren wurde auch einer von unseren Hilfstransporten bombardiert. Der Fah- rer hat glücklicherweise nur Verletzungen an der Hand erlitten. Aber Sie sehen, dass es sehr gefähr- lich für unsere Helfer ist. BZB: Und wie werden Sie von der Bevölkerung aufge- nommen? Khoury: Das Lachen eines Kindes, die Freude einer Mutter oder eines Vaters über die Hilfe lässt die ganze Mühe unserer Arbeit vergessen und ist uns viel wert. BZB: Auch in Kriegszeiten haben Menschen Zahnschmer- zen. Ihre Organisation besitzt ein Zahnarztmobil. Wie können Sie damit konkret helfen? Khoury: Die zahnärztliche Versorgung ist im Nor- den komplett zusammengebrochen. Deswegen kamen wir auf die Idee, hier ein Zahnarztmobil entsprechend auszurüsten, um es in Syrien einzu- setzen. Mit unseren Partnern, den „Grünhelmen“, konnten wir unsere Idee im September verwirkli- chen. Jetzt fahren wir von Ort zu Ort und in die Flüchtlingslager, um den Menschen bei ihren zahnmedizinischen Problemen zu helfen. Eine sy- rische Partnerorganisation sorgt für die Zahnärzte und bezahlt sie für ihren Einsatz. Es sind immerhin jeden Tag rund 40 Patienten, denen wir so helfen können. In den vergangenen sechs Monaten ha- ben wir rund 35.000 Euro für Verbrauchsmaterial investiert. Spenden sind uns also sehr willkommen. BZB: Wie dramatisch ist die medizinische Versorgung im Land generell? Khoury: Die medizinische Versorgung ist wie die zahnmedizinische zusammengebrochen. Es gibt Ge- biete mit Polikliniken, wenn auch nicht mit hiesigen Standards zu vergleichen. Wir waren zum Beispiel froh, wenn wir einen Patienten in ein Krankenhaus bringen und dort eine Röntgenaufnahme oder Sono- grafie anfertigen konnten. Das ist aber nicht immer der Fall. Deswegen haben wir mobile Röntgen- und Sonografiegeräte dabei. Aber es herrscht auch ein Mangel an Medizinern. Viele haben das Land wegen der Bombardierungen verlassen. Aber auch, weil viele Ärzte Ziel des Regimes sind. Sie sollen gar nicht hel- fen. Besonders dramatisch ist die Situation in Aleppo, wo alle Krankenhäuser bombardiert wurden. BZB: Seit fünf Jahren herrscht in vielen Teilen Syriens Krieg. Menschen fliehen vor Boden- und Luftangriffen oder suchen Schutz. Was empfinden Sie, wenn Sie die tägliche Nachrichtenlage sehen? Khoury: Die Nachrichten, die uns erreichen, ma- chen uns traurig und wütend. Wir verstehen nicht, warum der Westen nur mit halbem Engagement bei der Sache ist, warum er wegschaut. Die Hoff- nungslosigkeit der syrischen Bevölkerung ist ent- sprechend groß. Sie fragt sich, warum sie alleine gelassen wird. Und Hoffnungslosigkeit ist keine gute Grundlage für die Zukunft, denn sie kann in Terror münden. Sie müssen spüren, dass man sie nicht vergessen hat, Mitgefühl hat, an sie denkt. Das fehlt den Menschen im Moment. BZB: Von einem Frieden scheint Syrien weit entfernt. Wie könnte man den Bürgerkrieg doch noch beenden? Khoury: Meiner Meinung nach kann der Bürger- krieg nur durch eine politische Lösung beendet wer- den. Das bedeutet, dass das Unterdrückungssystem weg muss. Also alle aus Regierung und Opposition, die Blut an den Händen haben. Nur dann kann ein Syrien der Zukunft mit Freiheit und Menschenwürde aufgebaut werden. Sonst wird es kein Ende des Krie- ges geben. Denn das syrische Volk wird ein Unter- drückungssystem nicht mehr hinnehmen. BZB: Vielen Dank für das Gespräch! Das Interview führte Ilka Helemann. Barada-Syrienhilfe e.V. Weitere Informationen: www.barada-syrienhilfe.de Praxis | BZB Januar/Februar 17 | 33 KZVB

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