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Bayerisches Zahnärzteblatt Januar 2017

Der Verband Freier Berufe in Bayern kritisiert das Urteil des Europäi- schen Gerichtshofs (EuGH) zur Zuläs- sigkeit von Boni bei der Abgabe ver- schreibungspflichtiger Arzneimittel durch ausländische Versandapotheken. Der EuGH setzt sich damit über das Recht der Mitgliedsstaaten hinweg, eigenständige Regelungen zur Organi- sation des nationalen Gesundheits- wesens treffen zu können. Das neue Präsidium des Verbandes Freier Berufe in Bayern (v. l.): Dr.Hartmut Schwab, Josef Kammermeier, Rüdiger von Esebeck, Klaus von Gaffron, Michael Schwarz, Dr. Markus Beck, Dr. Bruno Waldvogel, Alexander Lyssoudis, Karlheinz Beer, Dr. Thomas Kuhn Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner und VFB-Präsident Michael Schwarz : »Die Philosophie der Freien Berufe nach Brüssel tragen.« ten, damit bewährte Strukturen nicht zerstört würden, wurde die Staatsmini- sterin deutlich. »Nach den Erfahrungen mit dem Brexit ist es zwingend erforder- lich, dass die EU sich überlegt, was sie kontrolliert und was nicht.« Michael Schwarz sieht als neuer Präsident des Verbandes Freier Berufe in Bayern den Wandel der Berufsstände als größte Herausforderung. »Frauen prägen zunehmend unsere Berufsstän- de. Wie schaffen wir es, Frauen und die junge Generation zu begeistern und einzubinden?«, so seine rhetorische Frage, die er bestärkt durch Ministerin Aigner beantwortete: »Vielleicht sollten wir die Philosophie der Freien Berufe nach Brüssel tragen und damit ein stär- keres Europa bauen.« Die Delegiertenversammlung des VFB hat mit Michael Schwarz einen Europa-Kenner an die Spitze des Ver- bandes gewählt. Er ist seit 2004 Mit- glied im EU-Arbeitskreis der Bundes- zahnärztekammer und leitet seit 2010 das Referat Freie Berufe, Mittelstand/ Europa der Bayerischen Landeszahn- ärztekammer. Zuvor lenkte er neun Jah- re lang als Präsident der Kammer die Geschicke von 15.000 bayerischen Zahnärzten. In den vergangenen vier Jahren stand er als Vizepräsident im Ver- band Freier Berufe in Bayern Dr. Kemp- ter zur Seite. Kempter wurde für seine Verdienste für die Freien Berufe wäh- rend der Delegiertenversammlung zum Ehrenpräsidenten des VFB ernannt. Neu im Vorstand sind künftig Dr. Thomas Kuhn, Vizepräsident der Rechtsanwaltskammer München, Dr. Markus Beck, Vorstandsmitglied der Bayerischen Landesärztekammer und Karlheinz Beer, Vizepräsident der Bayerischen Architektenkammer. Damit wird Deutschland die Gestal- tungshoheit über einen wichtigen Bestandteil des nationalen Gesund- heitssystems entzogen, mithin die Honorarordnung eines Freien Berufes in ihrem Bestand gefährdet ist. Der Verband Freier Berufe in Bayern spricht sich daher dafür aus, den Versand von verschreibungspflichtigen Arznei- mitteln, wie in drei Viertel aller EU-Mit- gliedstaaten, zu verbieten. Die Preisbindung für verschrei- bungspflichtige Arzneimittel ist Teil einer freiberuflichen Honorarbildung, mit welcher die Interessen von Bürgern, Kostenträgern und Apotheken ausge- glichen werden. So können Bürger vor einer Übervorteilung geschützt werden. Die Festpreisbindung stellt einen inte- gralen Bestandteil des Sachleistungs- prinzips in der Gesetzlichen Kranken- versicherung dar und garantiert allen Versicherten den gleichen Zugang zu benötigten Arzneimitteln. Eine Bonifi- zierung würde lediglich Fehlanreize zulasten der Solidargemeinschaft schaffen. Durch die Preisbindung bei verschreibungspflichtigen Arzneimit- teln wird eine Reihe von Gemeinwohl- leistungen ermöglicht, die in den Apo- theken vor Ort erbracht werden. Zu den Gemeinwohlleistungen zählen eine ausreichende Vorratshaltung und schnelle Lieferfähigkeit, individuelle Rezepturherstellung und persönliche Beratung sowie der Nacht- und Not- dienst. Die Arzneimittelpreisbindung verhindert außerdem eine Rosinen- pickerei nach rentablen Patienten und schützt so vor einer lückenhaften Ver- sorgung, durch das Wegfallen vollver- sorgender Apotheken vor Ort. Politische Initiativen, einen Versand- handel von rezeptpflichtigen Arznei- mitteln in Deutschland komplett zu verbieten, wie die der Bayerischen Gesundheitsministerin Melanie Huml und des Bundesgesundheitsministers Hermann Gröhe, sind ausdrücklich zu begrüßen und werden von dem Verband Freier Berufe in Bayern unein- geschränkt unterstützt.

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