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Bayerisches Zahnärzteblatt Januar 2017 - Herzklopfen auf dem Behandlungsstuhl – Gestik und Stimme sind Signale im Gespräch

Herzklopfen auf dem Behandlungsstuhl Gestik und Stimme sind Signale im Gespräch Zuversicht, Hoffnung, Resignation, Freude oder Erstaunen – jeder Patient sendet mit Gestik, Kör- perhaltung und Mimik Signale an den Zahnarzt und beeinflusst damit die Kommunikation. Dabei teilt er sich durch Körpersprache zu 40 Prozent mit, durch Wortsprache zu 60 Prozent. Gestik und Mimik Die vielfältigen Ausdrucksformen der Gestik zeigen die Befindlichkeit des Patienten und wie er Thera- pievorschläge des Zahnarztes aufnimmt, einordnet und interpretiert. Nonverbale Signale des Patien- ten zu verstehen, ist für den Zahnarzt nicht ein- fach. Kann er das nicht- sprachliche Ausdrucks- verhalten des Patien- ten verstehen, wird er zielgerichtet reagieren. Waagerechte Stirnfalten des Patienten signalisie- ren ihm Erstaunen oder Erschrockenheit, was der Patient nicht durch Wor- te zum Ausdruck brin- gen kann oder will. Die Gefahr besteht darin, dass man in die Gestik des Patienten etwas hi- neininterpretiert, was nicht der Tatsache ent- spricht. So nimmt man bestimmte Ausdrucks- merkmale bevorzugt wahr und gibt ihnen eine besondere Bedeu- tung. Erschwerend ist, dass Gestik und Mimik auch vom Patienten be- wusst produziert werden. Er verhält sich nicht ge- mäß seiner Befindlichkeit, sondern gibt etwas vor, um den Arzt zu beeindrucken. So werden schlechte Nachrichten über den Zustand seiner Zähne be- wusst gleichgültig wahrgenommen. Dennoch ist Körpersprache meist ehrlicher als Wortsprache. Die Ausdrucksformen der Körpersprache sind schwer erkennbar, wenn sich der Patient in Liege- position auf dem Stuhl befindet. Das beeinträch- tigt seine Gestik, zumal er von unten nach oben mit dem Arzt spricht und nicht in Augenhöhe wie am Schreibtisch. Idealerweise bringt der Zahnarzt den Patienten im Beratungsgespräch in die Sitz- position und setzt sich selbst, um in Augenhöhe zu kommunizieren. Damit er die nichtsprachlichen Ausdrucksformen des Patienten erkennen kann, lässt er zwischen seinen Sätzen kurze Redepausen. Auch er wirkt mit Gesten, Mimik und seiner Stim- me auf den Patienten und unterstützt damit seine eigenen Aussa- gen. Sein leichtes Kopf- nicken wird vom Pati- enten positiv beurteilt, ein ernster Gesichts- ausdruck negativ, auch wenn die Worte nicht negativ sind. Negative Aussagen werden mit einem leichten Blick nach unten begleitet, bei positiven Bemerkun- gen geht der Blick etwas nach oben. Der Patient reagiert genauso: Sein Blick nach unten bedeu- tet meist seine Enttäu- schung über die Diag- nose oder den Therapie- vorschlag. Dabei vermei- det er für ein paar Se- kunden auch den Blick- kontakt zum Zahnarzt. Auch die Distanz spielt eine Rolle. Vergrößert der Patient während des Gesprächs die Entfernung durch ein Zurücklehnen, deutet er damit Abstand zur Meinung des Arztes an. Er will nicht hören, was er gerade hört. Mit dem „Perspektivenwechsel“ ge- lingt es dem Zahnarzt, seinen Patienten richtig zu verstehen. Je besser er sich in seine Lage versetzen Die Angst vor dem Ungetüm Bohrer – Kommunikation kommt auch ohne Worte aus. Abbildung: Reinhold Löffler Praxis | BZB Januar/Februar 17 | 39 KZVB

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