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Bayerisches Zahnärzteblatt Januar 2017

kann, desto eher kann er Gefühle nachvollziehen, die beim Patienten entstehen. Er entscheidet, ob er die wahrgenommene Gestik hinterfragt oder noch auf weitere Signale des Patienten wartet. Die Gestik des Patienten ist das wichtigste Beurtei- lungskriterium für den Zahnarzt. Zu unterschei- den sind Bewegungstempo und -umfang. Das Bewegungstempo charakterisiert sich beispiels- weise durch ausufernde Handbewegungen des Patienten, die starke Gefühle seiner Befindlichkeit zeigen. Langsame und kleinere Gesten werden als bescheiden bewertet, zeigen kein besonderes Engagement und wenig Nachdruck. Bei Verlang- samung der Gesten kann man aber nur dann auf Resignation oder Bedenken schließen, wenn auch die Stimme leiser wird und sich das Redetempo verlangsamt. Stimme und Körpersprache sollten synchron sein, sonst ist Körpersprache wenig aus- sagefähig. Der Zahnarzt, der nicht nur auf den Bildschirm oder das Röntgenbild schaut, sondern den Patienten beobachtet, kann durch die Körper- sprache Rückschlüsse ziehen und die Situation hinterfragen: „Sie machen einen nachdenklichen/ überraschten/erfreuten Eindruck.“, „Sie sind jetzt gespannt?“, „Sie machen sich jetzt Gedanken?“, „Sie überlegen sich jetzt, wie es weitergeht?“ Der Zahnarzt zeigt Sensibilität für die Situation, in der sich der Patient befindet. Beim Bewegungsumfang deuten zum Beispiel kleine Bewegungen auf Bescheidenheit, Zurückhaltung oder Skepsis hin. Große, ausgreifende Bewegungen zeichnen den selbstbewussten Patienten aus, der sich seiner Sache sicher ist. Übrigens: Aus dem Ver- halten in einer Situation darf man keine pauscha- len Rückschlüsse auf den Charakter des Menschen ziehen, sondern nur auf die momentane Situation. Hände sprechen Bände Hände sind ein wichtiges Instrument der Gestik und haben starke Ausdruckskraft. Hält der Patient die Stuhllehne verkrampft fest, ist er ängstlich, gespannt, nervös und fürchtet Schmerzen. Hier helfen beruhigende Worte oder das nochmalige Nachspritzen. Ein kleiner Blick auf den Patienten während der Behandlung lässt erkennen, wie er sich fühlt. Während der Zahnbehandlung kann der Patient nicht sprechen, sondern teilt sich alleine durch Handgestik mit. Verschränkt der Patient vor der Behandlung die Hände vor der Brust, bedeu- tet das meist Verschlossenheit. Festhalten an der Stuhllehne bedeutet Halt suchen. Mit jeder Hand- geste beeinflusst der Patient seine Botschaft, er verstärkt und betont sie. In vielen Situationen heißt es nur gut zu beobach- ten, um Hintergründe und tatsächliche Sachver- halte zu erfahren. Liegt nun der Schluss nahe, dass man Körpersprache erlernen muss? Völlig unnö- tig, weil man seit der Kindheit mit ihr vertraut ist. Man hat nur verlernt, sie zu beachten, zu verste- hen und selbst anzuwenden. Im Gespräch sendet der Zahnarzt auch unbe- wusst Signale an seinen Patienten. Sein mahnen- der Finger bedeutet, dass der Patient mehr für seine Zahngesundheit tun muss und regelmäßig zur Kontrolle gehen sollte. Geht die Handfläche Checkliste: Körpersprache des Patienten erkennen Kompetenz gut entwickelt Kompetenz ausbaufähig Der Zahnarzt ist aufmerksam für körperliche Signale des Patienten. Er achtet kaum auf Gesten und konzentriert sich auf den sachlichen Teil des Gesprächs. Er kann sich in den Patienten hineinfühlen. Die Gefühle des Patienten sind ihm nicht immer klar. Er weiß, wie er sich selbst in einer vergleichbaren Situation fühlt. Ihm fehlt der Perspektivenwechsel, um den Patienten zu verstehen. Er kann aus den Gesten auf die Gefühle des Patienten schließen. Gefühlsmäßige Signale werden meist ignoriert. Abbildung: fotolia.com/kilkavbanke „Alles im grünen Bereich“, „Ein bisschen tut es weh“, „Stopp“ – auf dem Stuhl sind die Hände die Stimme des Patienten. | BZB Januar/Februar 17 | Praxis 40 KZVB

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