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Bayerisches Zahnärzteblatt Januar 2017 - Total digital – Materialkundliche Aspekte CAD/CAM-gefertigter Prothesen

Total digital Materialkundliche Aspekte CAD/CAM-gefertigter Prothesen Ein Beitrag von Dr. Dr. Patricia-Anca Steinmaßl, Florian Klaunzer, Lukas Ruech und Dr. Dr. Otto Steinmaßl, Innsbruck/Österreich Die CAD/CAM-gestützte Fertigung von Total- prothesen verspricht reduzierte Behandlungs- zeiten und eine verminderte Anzahl von Sit- zungen zur Anpassung neuer Totalprothesen. Abgesehen von wirtschaftlichen Vorteilen können durch das neuartige Herstellungs- verfahren auch günstigere chemische und physikalische Eigenschaften der Prothesen erreicht werden, wodurch der Tragekomfort erhöht und der Nachsorgeaufwand reduziert werden kann. Erwartet werden eine geringere Monomer-Freisetzung, ein besserer Prothesen- halt, eine reduzierte Druckstellenhäufigkeit und eine ausgeglichenere Okklusion im Ver- gleich zu konventionell hergestellten Total- prothesen. Durch die Speicherung des digi- talen Datensatzes wird die Herstellung von Duplikatprothesen „auf Knopfdruck“ möglich, wodurch Prothesenreparaturen oder Neuan- fertigungen aufgrund von Prothesenverlust hinfällig werden könnten. Diese Vorteile sind sowohl für Patienten und Zahnärzte als auch für Zahntechniker relevant. Wissenschaftliche Evidenzen für eine Überlegenheit CAD/CAM- gefertigter Totalprothesen gegenüber konven- tionell gefertigten Prothesen gibt es bisher aber nur wenige. Seit der IDS 2015 nimmt der Bekanntheitsgrad CAD/CAM-gefertigter Totalprothesen stetig zu. Ein wesentlicher Vorteil dieser neuen Systeme sind mit Sicherheit die verkürzten Herstellungs- protokolle, die fast alle Systeme bieten. In diesem Beitrag wird dargestellt, wie ein solches Protokoll mit nur wenigen Schritten umgesetzt werden kann und wo die Vorteile der digitalen Prothesenher- stellung liegen. Die Abbildungen 1a bis h zeigen einen Patientenfall, bei dem zu einer bestehen- den Unterkieferversorgung (eigene Zähne in der Unterkieferfront, beidseitige, mit Metallgerüst- prothese versorgte Freiend-Lücken) eine Oberkie- fer-CAD/CAM-Totalprothese in insgesamt zwei Sitzungen angepasst und in der dritten Sitzung übergeben wurde. CAD/CAM-Prothese: Herstellungsprotokoll in drei Schritten · 1. Sitzung: Nachdem die Untergesichtshöhe fest- gelegt und markiert worden war, wurde mithilfe eines systemeigenen konfektionierten Löffels eine zweizeitige, zweiphasige Funktionsabformung vor- genommen (Abb.1a). Die bei der Durchführung vonexzentrischenUnterkieferbewegungenstören- den Fahnen abgebundener Abformmasse wur- den entfernt (Abb.1b). Anschließend wurde eine Registrierschablone mit Stützstift silikonunterfüt- tert und somit an den Unterkieferzähnen fixiert (Abb.1c). Danach wurde der Stützstift so weit he- rausgeschraubt (Abb.1d), bis durch den Kontakt des Stützstifts mit der im Oberkieferabformlöffel integrierten Registrierplatte die zuvor abgemes- sene vertikale Relation erreicht war. Jetzt konnten die exkursiven Unterkieferbewegungen aufge- zeichnet (Abb.1e), damit ein Pfeilwinkelregistrat generiert und in der zentrischen Relation mittels Registriersilikon verschlüsselt werden (Abb.1f). · 2. Sitzung: In der zweiten Sitzung wurde eine CAD/CAM-gefertigte „Ein-Stück-Probeprothese“ aus weißem Kunststoff einprobiert (Abb. 1g). Anhand dieser „Try-in-Prothese“ ist es möglich, Halt, Passung, Okklusion und Ästhetik der end- gültigen Prothese zu kontrollieren und gegebenen- falls noch zu korrigieren. · 3. Sitzung: Da im vorliegenden Fall keine Ände- rungen notwendig waren, konnte in der abschlie- ßenden dritten Sitzung die fertige Oberkiefer- Totalprothese übergeben werden (Abb.1h). Der kürzere digitale Herstellungsweg ist auch bei einem Prothesenverlust von Vorteil: Bei CAD/ CAM-basierter Fertigung können aus den ge- speicherten Primärdatensätzen „auf Knopfdruck“ neue Prothesen gefertigt werden, ohne dass der Patient nochmals zu Anpassungssitzungen in die Praxis kommen muss. Diese Möglichkeit ist beson- ders für alte und immobile Patienten von großem Vorteil. Gleiches gilt im Fall der Beschädigung ei- ner CAD/CAM-gefertigten Totalprothese: Obwohl eine konventionelle Reparatur durch den Zahn- | BZB Januar/Februar 17 | Wissenschaft und Fortbildung 66

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