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Bayerisches Zahnärzteblatt Januar 2017 - Das Römische Reich glühte – Zähne beweisen: Malaria grassierte am Tiber

Das Römische Reich glühte Zähne beweisen: Malaria grassierte am Tiber Malaria war für viele Todesfälle im alten Rom verantwortlich. Das belegen nicht nur antike Schriften, sondern auch DNA-Untersuchungen, die kanadische Anthropologen an Zahnfunden durchführten. Und dann stach sie zu. Nahm gierig das Blut durch ihren kaum sichtbaren Rüssel auf und übertrug dabei den Malariaerreger auf ihr Opfer. Für diesen Einwohner von Velia lief in jenem Moment seine Lebenszeit rapide ab. Der Parasit suchte sich sei- nen Weg zu Leber und Milz. Vielleicht ahnte er es, als er den Stich bemerkte. Oder als das Fieber aus- brach. Vielleicht war er einer von bereits vielen. Vielleicht auch einer der ersten, dem die Malaria in dem am Meer liegenden Handelszentrum den Tod brachte. Genauso wie einem weiteren Opfer aus Vagnari. Weit weg von Velia im zentralen Apu- lien. Was heute noch tausendfach Menschenleben fordert, traf auch das heutige Italien zur Römi- schen Kaiserzeit, als das Imperium von der Reichs- krise durchgeschüttelt wurde. Ausgelöst wird Malaria von einer Stechmücke. Ihre Symptome verliehen ihr auch die Namen Sumpffieber, Wechselfieber oder Kaltes Fieber. Noch 2013 starben 584000 Menschen an ihr. Vor allem in Afrika, Südamerika sowie Süd- und Süd- ostasien. Im Mittelalter kam Malaria aber auch in Süd- und Mitteleuropa vor. In Norddeutschland wurde sie Marschenfieber genannt. Friedrich Schil- ler focht in Hannover einen langen Kampf mit ihr aus. Oliver Cromwell verlor ihn dagegen. Bis Mitte des 20. Jahrhunderts infizierten sich auch in unseren Breiten immer wieder Menschen. Erst durch die Trockenlegung von Sumpfgebieten und den systematischen Einsatz von Insektiziden konnte die Malaria in den 1960er-Jahren in Europa aus- gerottet werden. Vor rund 2 000 Jahren mussten sich die Bewoh- ner in weiten Teilen des Römischen Reichs dage- gen immer wieder dem Fieber stellen. Das konn- ten Wissenschaftler beweisen, die sich auf die Su- che nach dem Parasiten Plasmodium falciparum machten. Und das auf eine ungewöhnliche Weise. Denn der Parasit befällt vor allem Milz und Lunge. Da kein Gewebe mehr zur Verfügung stand, hal- fen den Anthropologen wie so oft Gebisse dabei, neue Erkenntnisse zu gewinnen. Ein internationa- les Forscherteam um Stephanie Marciniak von der kanadischen McMaster University schaffte es, in den DNA-Fragmenten der Pulpa zweier Individuen den Parasiten nachzuweisen. Schlechte Luft im alten Italien Untersucht wurden die Kieferknochen und die ers- ten oder zweiten Molaren von elf Erwachsenen. Diese kamen aus unterschiedlichen Gegenden Italiens: Isola Sacra, ein tiefliegendes Becken mit Wäldern in der Nähe des Tibers, das damals von Sümpfen und Lagunen durchzogen war. Velia, ein Küstenvorgebirge zwischen Schwemmböden, und Vagnari, ein bewaldetes Flusstal mit flachen Hü- geln im Süden Italiens. Gute Gegenden für Mala- ria, was auf Deutsch so viel wie „schlechte Luft“ heißt, die vor allem aus Sümpfen steigt. Anhand der Zähne konnte man die Funde auf das erste bis dritte Jahrhundert nach Christi datieren. Das sind wichtige genomische Daten. Denn sie dienen als ein wichtiger Bezugspunkt dafür, wann und wo der Rund 2000 Jahre alt ist dieser Schädel, den Anthropologen in Velia fanden. In der DNA der Zähne konnten sie den Malariaparasiten nachweisen. Foto: Luca Bandioli, Pigorini Museum KZVB Reise und Kultur | BZB Januar/Februar 17 | 73 Vor rund 2000 Jahren mussten sich die Bewoh-

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