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Bayerisches Zahnärzteblatt Januar 2017

Anthropologin Stephanie Marciniak sprach mit dem BZB über ihre Forschungsergebnisse zur Malaria im Römischen Reich. BZB: Wie kamen Sie auf die Idee, der Malaria im Römischen Reich nachzuspüren? Marciniak: Die Geschichte und Verwicklungen um die Tragweite von Malaria, kombiniert mit den vielen litera- rischen Aufzeichnungen von antiken Autoren, erlangte meine Aufmerksamkeit. Ich betrachtete es ein bisschen als Puzzle, an welchen Orten diese historischen Aufzeich- nungen Malaria vermuten ließen. Aber es gab, soviel ich weiß, keine aktuellen Versuche mit der alten DNA-Tech- nologie, Malaria an Skelettresten erwachsener Personen nachzuweisen. Ich war besonders daran interessiert, wie alte DNA-Techniken verwendet werden könnten, um diese Krankheit in bestimmten Orten aus dieser Zeit nä- her zu beleuchten. Die Forschung wurde möglich, als Dr.Tracy L. Prowse und Dr.Luca Bondioli mir Zugang zu einer beeindruckenden Auswahl an Skelettmustern ga- ben. Ich konnte diese Arbeit dann im McMaster Ancient DNA Center unter der Leitung von Dr.Hendrik Poinar durchführen. BZB: Welcher Teil des Projekts gefiel Ihnen am meisten? Marciniak: Am spannendsten fand ich, alte DNA-Daten mit anderen anscheinend eindeutigen Erkenntnissen – wie archäologische oder literarische Quellen – zu verglei- chen. Es ist äußerst wichtig, die parasitäre DNA der ein- zelnen Individuen in ihren historischen Kontext zu stellen. Die Erkenntnis ist, dass die Krankheit von den Wechselwir- kungen zwischen der Genetik des menschlichen Wirtes und der Umwelt beeinflusst wird. Dabei umfasst Umwelt die menschliche Veränderung, die ein mehr oder weni- ger geeignetes Umfeld für vektorübertragene Krankheiten schaffen kann. BZB: Was machte es so schwierig, an die notwendigen Infor- mationen in den Zähnen zu kommen? Marciniak: Es sind die typischen Schwierigkeiten solcher Forschung. Wir versuchen, Erkenntnisse aus alten Mikro- ben zu erhalten. Oft ist dabei der Anteil „echter“ DNA aus diesen Bestandteilen sehr gering. Sie liegt oft weit unter einem Prozent. Indem wir unsere Methoden und Analy- sen rigoros sicherstellen, können wir unseren Resultaten vertrauen. Durch die begrenzte Wiedergewinnung des Plasmodium falciparum können wir diesen alten Stamm mit den heute zirkulierenden Stämmen nicht vergleichen. Die evolutionäre Beziehung dieser Arten konnten wir so- mit nicht erforschen. BZB: Sie schrieben: „Malaria war ein weit verbreiteter his- torischer Erreger, der für viele Todesfälle im alten Rom ver- antwortlich war.“ Ist es möglich, diese Vorhersage auf der Grundlage der beiden Fälle von Malaria zu treffen, die Sie analysiert haben? Marciniak: Die Wiederherstellung des Plasmodium falci- parum aus der alten DNA zeigt uns nur, dass der Parasit vorhanden war. Ob er den Tod eines Individuums verur- sacht hat oder nicht, können wir dagegen nicht beurtei- len. Ähnlich wie das für an Isola Sacra angeschlossene Por- tus Romae bedeutet es weder, dass dieser Erreger, noch die weiteren menschlichen Arten von Parasiten, dort nicht vorhanden waren. BZB: Könnten Malaria-Epidemien den Untergang des Römi- schen Reiches verursacht haben? Marciniak: Wir haben zwar das Plasmodium falciparum in den beiden Skeletten entdeckt, können daraus aber nicht den weit verbreiteten Tod oder die Katastrophe, die durch diesen Parasiten im Römischen Reich verursacht wurden, hochrechnen. Es ist komplex, wie Krankheiten in dyna- mischen Umgebungen miteinander interagieren – und Malaria ist nur ein Teil über Gesundheit und Krankheit in der Vergangenheit, zu der wir Erkenntnisse erlangt haben. Das genaue Ausmaß der geografischen Verbreitung der Malaria ist unbekannt. Und so ist auch der Umfang der Morbidität und Mortalität, der diesem Parasiten zuge- schrieben wird, unbekannt. BZB: Was ist Ihr nächstes Projekt? Marciniak: Neben der weiteren Erforschung der Malaria im Römischen Reich wäre es ein interessanter Ansatz- punkt, nach dem Plasmodium falciparum an anderen Or- ten mit ähnlicher Geschichte von Malariaausbrüchen zu suchen. Ich denke dabei zum Beispiel an das alte Ägyp- ten. Darüber hinaus wäre es interessant zu erforschen, wie der Mechanismus des menschlichen Immunsystems auf den Malariaparasiten reagiert, sprich, wie sich der Parasit auf das Erbgut des Menschen auswirkt und die Gene auf die Virulenz reagieren. Das Interview führte Ilka Helemann. Komplizierte Spurensuche Parasit beim Menschen existierte. „Dieser reagiert auf Klima, Topografie, menschliche Aktivität und Ökologie auf lokaler Ebene, sodass es wahrschein- lich kein einziges Sterblichkeitsprofil gibt, das für alle imperialen Zeiträume Italiens gilt“, erläutern die Wissenschaftler. KZVB | BZB Januar/Februar 17 | Reise und Kultur 74

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